Gefühls-Nudist am Burkini Beach – „Supersadness Intl“ von Burkini Beach

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Zehn Songs zwischen freudigem Fatalismus und verzweifelnder Zuversicht; zehn Songs zwischen manischem Selbstmitleid und schonungsloser Ego-Analyse; zehn Songs zwischen 2:29 und 3:57. Als Burkini Beach macht Rudi Maier auf „Supersadness Intl“ genau dort weiter, wo es zuletzt mit The Dope nicht weiter ging.

Burkini Beach
Supersadness Intl
Record Jet
19. Mai 2017
8 / 10
Erhältlich bei Bandcamp

Ob Rudi Maier sich in „Kitchen Sink“ nur deswegen im Spülbecken ertränken wollte, weil ruchlose PR-Agenten die Musik seiner Band The Dope als „furiosen Indie-Punk“ diffamiert haben? – Man weiß es nicht. Als gesichert dürfte gelten, dass Maier die The Dope-Formel im Sinne der Weiterentwicklung als Singer/Songwriter entsprechend aktualisiert hat. Heißt: Verzerrer-Pedal raus, Schlagzeug leiser (leg schon mal die Besen bereit) und die Songstrukturen nicht ganz so kompliziert. Der Rest? – Bleibt! Gut nachzuhören auf den „Hinterlandia“-Songs „Blizzard Kid“ und „American Girls“, die man sich in Un-plugged-Version auch hervorragend auf „Supersadness Intl“ vorstellen könnte. Gar nicht erst zu reden von „Entirely Zipped“, jenem The Dope-Song, der das Burkini Beach Projekt quasi schon 2013 vorwegnahm. (vice versa geht auch: „Tiny Boxes“ wär’ auch auf „Hinterlandia“ klar gegangen)

Wenn auch auf Kosten des Wumms: Als Burkini Beach können sich Maiers melodische Idiosynkrasien und seine vor melancholischer Lakonie strotzenden Texte viel besser profilieren. Da ist nichts mehr, dass es klangtechnisch zu überwinden gäbe, um zum Kern – jenen melodisch eingängig einfühlsamen und den Humor trotzdem nicht missen lassenden Geschichten – vorzudringen. Ob „Kitchen Sink“, „Your Weirdness & My Eloquence“ oder das hervorragende „Jungle Book“ – mit Burkini Beach schließt Rudi Maier die Lücke zwischen Elliott Smith und Belle & Sebastian.

Was in jedem Fall äußerst positiv auffällt: Rudi Maiers Englisch ist akzentfrei. Klaus Meines ist es nicht – weil dessen Gitarrist aber ein Vornamensvetter Maiers ist, mit dem dieser zu allem Überfluss auch noch gerne Selfies macht, könnte er dem Scorpions-Sänger vielleicht den ein oder anderen Aussprache-Hinweis stecken. Ich schweife ab und schließe mit einem Zitat: „Your Weirdness Is More Eloquent Than My Eloquence/Your Lies Are So Much Sweeter Than My Compliments“.

Foto: Bernd Wolfram

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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