Genesung geglückt – Get Well Soons “Get Well Soon”-EP

August 14, 2012

Sibirien liegt in Schleswig Holstein. Kalifornien auch. Und Berlin gehört wahlweise nach Massachusetts, Maryland oder Connecticut. Namen sind eben doch nur Namen. So manches Mal allerdings sind die auf sie zurückzuführenden Misverständnisse und Verwechslungen gut für den ein oder anderen Erkenntnisgewinn. Nicht nur Konstantin Gropper ist Get Well Soon.


Get Well Soon
Get Well Soon EP

 

no label / no label
27. März 2012

 

Erhältlich bei:
Bandcamp


Ob Josh Fountain von dem vor zwei Jahren als teutonischer Sonderling vor allem auf der Olympia-Insel gehypten Namensvetter-Projekt gewusst hat, ist ein Frage, die man an Überflüssigkeit (gibt es dieses Wort?) wohl kaum überbieten kann. Wenn überhaupt, dann müsste man den früher bei dem Bubblegum-Electro-Pop-Rap-Projekt Kidz in Space sich verdingenden Fountain fragen, ob er seine Eingebung in Sachen Namensgebung nicht gründlicher hätte recherchieren können – nicht einmal in Auckland erfindet man noch Räder.

Apropos: In seiner Heimat gehört Herr Fountain zur kulturellen Boheme. Warum das für die Autoren-Ohren ziemlich gewöhnungsbedürftige, weil verwirrend hybride und zwischen Asia-Pop und nordamerikanischem Eurodisco ständig schwankende Duo Kidz in Space auf der anderen Seite der Welt derart Hörstaub aufgewirbeln konnte, entzieht sich dem durchschnittlichen, mitteleuropäischem, Musikverständnis. Ist aber für die hier vorliegende EP kaum von Bedeutung.

Denn Get Well Soon klingt so gar nicht nach Kidz In Space. Get Well Soon klingt wie Vampire Weekend und Chemical Brothers mit einem heftigst sedierten Damon Albarn am Mikro. Und was die durchschnittlich Synthie-Dichte angeht – Fountain steht Dam-Funk in nichts nach. Die ziemlich ausgeklügelte Balance aus organischen und nur selten nicht an afrikanischen Hi-Life erinnernden Gitarren-Licks einerseits und kraftvoll futuristischen Klangschwaden wie from outer space auf der andern Seite entwickelt einen Charme, dem nur mit Gewalt und ganz viel Helmet zu entkommen ist. Wurde schon erwähnt, dass Fountain seinen Melodienvorrat beim Großhändler eingekauft zu haben scheint? – Verschwendung ist nicht der richtige Ausdruck. Überfluss trifft es genauer.  Als Support-Act für M83 rückt er damit vorzeitig ins Kandidatenfinale.

Für seine "Get Well Soon" Ep hat Fountain den Begriff Eigenregie so gut wie wörtlich umgesetzt. Um das Pferd von hinten aufzuziehen: der Tonträger erscheint in eigener Verantwortung auf keinem Label. Den Preis für die drei hochgradig ansteckenden und Hook-verliebten Songs auf der EP legt vie Bandcamp jeder Hörer und Interessierte selber fest. Fountain, von Haus aus Komponist, Instrumentalist und Reglerschieber hat auf seinem Solowerk auch den Schritt vom Musiker zum Interpreten gemeistert. Seine Qualitäten als Sänger sind damit ab sofort ähnlich unbestritten.

Get Well Soon alias Josh Fountain ist mit seiner EP ein ziemlicher Wurf geglückt. Nicht nur, dass sein Postfach vor Nominierungen für jeden der gefühlten zwei neuseeländischen Künstler- und Musikpreise überquillt. Mit seinem Solowerk dürfte er auch ein Stück des privaten Unglücks, das ihm als Auslöser genau dafür diente, verarbeitet haben. Zu wünschen wäre es ihm jedenfalls.

photo: voto

Posted by: Thomas
Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -
nach oben
x