Georgia On My Mind – „Georgia“ von Georgia

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Wenn gelernte Schlagzeugerinnen ihrer Schießbude Adieu sagen, um sich fortan der Programmierung von Drum-Computern zu widmen, dann ist das mal grundsätzlich in Ordnung. Und wenn sich das Ergebnis am dann Ende anhört wie Georgias selbstbetiteltes Debüt, muss man schlicht konstatieren: Ihre Knöppedrückerei ist über jeden Zweifel erhaben. Fast.

Georgia
Georgia
Domino Records / Good To Go
07. August 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | JPC

Als Session- und Live-Drummerin hat die inzwischen 25-jährige Georgia Barnes bereits reichlich Erfahrung gesammelt. Dass sie die Tochter des einzig verbliebenen Leftfield-Mitglieds Neil Barnes ist, mag dabei geholfen haben. Bei ihrer Entscheidung, sich auch musikalisch in die Ahnengalerie zu reihen, dürfte die Verwandtschaft hingegen kaum zu einem Vorteil gereichen: Die schiere Größe der Fußstapfen passt ja auf keine Kuhhaut. So nimmt es nicht weiter Wunder, dass Georgia einen slightly different Sonderweg geht.

Erstens: Am derzeit sehr populären 4-2-The-Floor-Konzept (Stichwort EDM) zeigt die Lady aus London keinerlei Interesse. Die Broken Beats Szene scheint ihr wesentlich mehr am musikalischen Herzen zu liegen. Möglich, dass die Atavismen ihrer Schlagzeuger-DNA hier Wirkung zeigen. Andererseits ist geradezu auffällig, dass die Groove-Expertin auf drei (zusammen mit "Intro" und "Cab Ride" sogar fünf) von insgesamt zwölf Tracks komplett ohne Rythmusanlage auskommt. Ambient würde man "Hold It", "You" und das übernatürlich gut gelungene "Heart Wrecking Animals" zwar kaum heißen – ohne Beat bleiben sie trotzdem. Zweitens: Ebenfalls auffällig ist die gefühlte bzw. gehörte Nähe zu den Klängen einiger anderer fortschrittlicher Pop-Pioniere aus Great-Britannia. Die teilweise bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Gitarre sowie einige Sägezahn-Synthesizer-Einstellungen bei Songs wie "Nothing Solutions" und "Digits" kennt man auch schon von Jai Paul und Ben Khan. Und garantiert ist Georgia der Name M.I.A. nicht unbekannt: Der Rhythmus zur ersten Single "Move Systems", das Muezzin-ähnliche Loop von "Kombine", die Faszination an digitaler Rohheit und Einsen-und-Nullen-Staub (nein, mit Noise hat das nichts zu tun!), die sich durch das gesamt Album zieht.

Drittens: Dafür dass Miss Barnes eigentlich über keinen außergewöhnlich klingenden Vokalapparat verfügt, bleiben ihre Refrains ganz schön tief im Gehörgang stecken. Ihre Gabe für knackige und sofortig memorierbare Hooks (Charlie XCX ick hör Dir trapsen) zeigt sich sogar bei den nicht ganz so überragend gelungenen Kompositionen wie "Be Ache" oder auch "GMTL". Ausnahme: "Tell Me About It" – keine Ahnung, wie und warum dieser Ausreißer auf dem Album landen konnte. Fazit: Das ist das Album für alle, denen der Hype um FKA Twigs’ Debüt ein paar Nummern zu hoch war. Außerdem ist hier Musik drauf.

Foto: Laura Coulson

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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