Geschüttelt, nicht gerührt – „Glow“ von Jackson and his Computerband

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Überdreht? Anmaßend? Selbstverliebt? – Alles Ja. Aber eben auch donnerdick, Kopfnicker-freundlich und im Pop-Sinne hymnisch. Jackson and his Computerband sind ein vielschichtiges Phänomen. Nicht nur klanglich. Auf "Glow", Jackson Fourgeauds zweitem Album, zeigt sich der Elektro-Sinfoniker von seiner komplexesten Seite.

Jackson and his Computerband
Glow
Warp / Roughtrade
30. August 2013
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

"Glow" platzt aus allen kreativen Nähten. Der Grund dafür ist simpel: wer Pink Floyd, Laurent Garnier und Prince als wesentliche Einflüsse benennt und diesen dann auch noch gerecht werden will, muss sich ganz schön strecken. Zum Glück für die Hörer erweist sich Jackson als großer Spezialist in dieser Kreativ-Disziplin. Das Mittel seiner Wahl lautet fast immer: Dekonstruktion. Auseinandernehmen und sezieren. Liegen die sonischen Einzelteile dann erst einmal vor ihm, setzt Jackson sie einfach zu einem neuen Puzzle zusammen. Ganz Einfach.

Und so finden sich auf dem wohl-dramaturgisierten Album dann solch tonnenschwer drückende Instrumental-Monster wie "Seal", das quasi danach schreit, von Freeland, Leftfield und Modeselektor remixt zu werden. Das darauf folgende "Dead Living Things" ist zwar kaum einen Deut weniger mächtig, bietet aber nicht zuletzt des Gesangs wegen ein paar mehr hörtechnische Angriffspunkte. Was man dem sich anschließenden "G.I. Jane" nicht absprechen mag – aber mehr als der Eindruck von Falco meets Phillip Boas Voodooclub bleibt nicht. Apropos Zauberei: für eine David Copperfield oder Siegfried und Roy Show wäre das pompöse "Orgysteria" vielleicht genau das richtige. Auf dem Album bildet es zusammen mit seinem Nachfolger "Blood Bust" ein Team von klanglichen Außenseitern. Warum letzteres heißt, wie es heißt, wird schnell deutlich: Das Ausschlachten von Vitalic, Boys Noize und dem Ed Banger-Katalog ist nun mal eine blutige Angelegenheit.

Über das halbgare "Memory" hinweggegangen, präsentiert sich mit "Arp #1" der zweite Höhepunkt des Albums nach "Seal": ein betörend wirksamer Burner, der trotz Sinustonattacken und Marsch-Getrommel Wärme ausstrahlt. Und damit das Gegenteil von "Pump", der darauf folgt. Das Abseitige des Tracks ist nicht ganz so extrem wie bei "Blood Bust" – auf einem DJ Hell Album aber hätte es vermutlich gar noch besser gepasst.

Zum Ende fasst "Billy" das Disparate des Albums, die Unterschiedlichkeit der klanglichen Erscheinungsformen, seine Heterogenität sehr schön plastisch und auf nur sieben Minuten zusammen. Vorher muss der Hörer nur nach an "Vista", der zu recht ersten Auskopplung von "Glow", vorbei. Von den drei Sternstunden des Albums ist "Vista" mit großem Abstand erster unter Gleichen: mutig, versponnen, laut, kitschig und derbe groovy. Einer der besten Songs des Jahres!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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