Heavy Meddle – „Granular“ von Halma

IMG_6935_HALMA_by Gianni Occipinti

Ich lese immer nur Tortoise, The For Carnation und Talk Talk. Dabei gibt es angesichts von "Deep White", dem Opener und der ersten Single von Halmas neuem Album "Granular" eigentlich nur einen einzigen Namen, dessen es zu Klang-Orientierungs- und Vergleichszwecken bedürfte: Pink Floyd - Live at Pompeii.

Halma
Granular
Kapitän Platte / Cargo Records
23. Oktober 2015
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | Bandcamp | Kapitän Platte

Der Hamburger Vierer empfiehlt sich seit mittlerweile über 16 Jahren als eine Institution in Sachen improvisations-basierter Space-Rock. Nicht ohne jeden Grund: "Granular" ist das offiziell sechste Album, zählt man den Soundtrack zu "Der andere Junge" nicht mit. Umso verwunderlicher, dass im Lichte der aktuellen Album-Veröffentlichung niemandem die beiden Wörtchen "Pink" und "Floyd" über die Lippen kommen. Wenn es eine Assoziation gibt, die insbesondere das als erste Video-Single veröffentlichte "Deep White" nahelegt, dann doch wohl Pink Floyd - Live at Pompeii.

Nicht, dass "Deep White" nun einfach so als "Halma - Live in Harvestehude" oder "Halma At Hammerbrook" umgetauft werden könnte (sieht eh eher nach Stadt- oder Jänisch-Park aus im Video). Die sowohl visuellen als auch akustischen Parallelen dieses Outdoor-Musik-Videos aber hält zumindest der Autor für unüberseh- und -hörbar. Ähnlich gut sichtbar im Raum stehen aber auch die tatsächlichen Alleinstellungsmerkmale des Hamburger Quartetts. Anders als die britischen Pioniere verzichtet es komplett auf einen Vokalisten. Wenn sich Stimmen in die meditative Klanglava verirren, dann O-Ton-Aufnahmen und andere vor allem atmosphärisch wirksame Field-Recordings oder Found-Sounds ("Sediment").

Auch in punkto harmonische Variabilität wandeln Halma auf etwas anderen Pfaden. Bedingt durch die Absage an alles, was irgendwie an traditionelle Song-Struktur bzw. Liedcharakter erinnern könnte (Strophen, Refrains etc.), gereichen manchmal einzelne Töne als musikalisches Fundament bzw. Basis, über welche die Band dann musikalisch laut denkt, in anderen Worten: improvisiert. So wie bei (dem wegen seiner Geschwindigkeit als Ausreißer dastehenden) "Riverbed" und (dem hoffentlich nichts mit den Staubsaugern zu tun habenden) "Dirt Devil". Speziell bei diesen Stücken werden Freunde harmonisch-korrekter Auflösung wohl kaum auf ihre Kosten kommen.

Für alle, denen auch im musikalischen Sinne der Weg das Ziel darstellt allerdings, dürfte Halmas "Granular" ein echter Ohrenschmaus bedeuten. Und zwar unabhängig davon, ob gerade die Tüte kreist oder andere bewusstseins-beeinflussende Substanzen im Spiel sind. Das, was Halma und ihre Musik auszeichnet, ist Geduld, Langatmigkeit und das Wissen um den Fakt, dass man es eben nie allen wird Recht machen können. Die nicht nur künstlerisch kluge Bedächtigkeit liegt voll und ganz auf der Linie des Autors.     

Foto: Gianni Occipinti

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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