Guter Sex mit Körper-Butter – „Darlings“ von Kevin Drew

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Ob ein Album, das die Titel "Good Sex", "Body Butter" und "Mexican Aftershow Party" enthält, eher von Steel Panther oder von irgendjemand anderem stammt? 1.000 Euro, dass eine überwältigende Mehrheit auf die Spandex-Spacken tippen würde. Nun – die überwältigende Mehrheit läge daneben. Die drei besagten Titel finden sich samt und sonders auf "Darlings" von Kevin Drew.

Kevin Drew
Darlings
City Slang / Universal
21. März 2014
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | Amazon | HHV

Dem Autor ist Kevin Drew, der, wenn er nicht als Solo-Künstler auftritt, bei den Kanadiern von Broken Social Scene die Strippen zieht, persönlich genauso wenig bekannt, wie man das von anderen Schreibtisch-Tätern mit Rezensions-Aufgaben erwarten darf. Umso erstaunlicher, wie viele Kollegen sich als intime Freunde Drews zu erkennen geben, indem sie die Titel und was sie ihnen an Bedeutung unterstellen, zu einer Eins-Zu-Eins-Abbildung privater Freuden Drews stilisieren. Wer weiß, vielleicht hat sich Drew ja auch schon längst als sexuell hyperaktiver Abenteurer geoutet – für sehr wahrscheinlich hält das der Autor nicht.

Vielmehr dürfte es so sein, dass außer Drew sowieso nie jemand erfahren wird, was er womit genau wie meint. Wenn Drew aber überhaupt irgendetwas unterstellt werden darf, dann, dass er ganz und sehr genau weiß, mit welchen Allgemeinplätzen er den wirksamsten Effet erzielt. Demnach sind sowohl die Titel als auch die vermeintlichen Themen auf "Darlings" allesamt genauso Möchtegern-Explizit wie das großartige Video zur großartigen ersten Single "Good Sex". Das Beste aber an Kevin Drews bislang zweitem Solo-Album ist, dass sich die Musik nach nur wenigen Takten als das Einzige, worüber zu sprechen sich wirklich lohnt, erweist.

Meilen entfernt von Schrammelhausen und Guitar-Town, nutzt der als Indie-Rocker eingeführte Musiker die sonst kaum wegzudenkenden sechs Saiten lediglich als Klang-Deko, um das vor allem auf wabernde Synthie-Flächen setzende und gebaute Album mit sparsamem Ba-Rock zu verzieren. Da kommt das Klavier als prominent gefeatureter Harmonie-Anker schon sehr viel besser weg. Protagonist auf "Darlings" aber bleibt – und  auch das ist eine gute Nachricht – Drews unaufdringliche, aber umso einprägsamere Stimme. Ditsche würde wohl was von Weltorgan faseln. Der Autor neigt eher dazu, sowohl Wandel- als auch Wiedererkennbarkeit zu attestieren. Außerdem sympathisch: Im Gegensatz zu dem alles in allem peinlichen neunmalklugen Gewese von Kollegen à la The National und – noch schlimmer – Arcade Fire, bleibt Drew auf "Darlings" schlicht Musiker. In Ermangelung jedweder spirituellen Mission oder anderer Meta-Messages, macht er, was Musiker nun mal so machen: Musik. Und zwar beeindruckend gut.

Foto: Jesse Senko

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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