Halb-Fertig und Perfekt! – „Otherness“ von Kindness

kindness

Keine Ahnung, wer Kindness ist. Spielt aber auch gar keine so große Rolle. Wer auch nur im Verdacht steht, Relevantes zu "Cupid Deluxe" beigetragen zu haben, so wie es der Album-Beipackzettel vorgibt (und die lügen nie, niemals!), der braucht tatsächlich nicht viel mehr als ein Künstlerpseudonym. Und einen Album-Titel, vielleicht. So etwas wie "Otherness" beispielsweise.

Kindness
Otherness
Pias Coop / Female Energy / Rough Trade
10. Oktober 2014
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Das waren aber längst noch nicht alle Vorschusslorbeeren. Kindness ist nach der unbedeutenden Meinung des Autors der erste, dessen musikalisches Einfühlungsvermögen es vermag, der sonderbar-nordischen Robyn mehr zu entlocken als nur diffus-androgyne Ahnungen von Science Fiction und Outer Space. Auf dem zunächst befremdlich fragmentarischem "Who Do You Love" präsentiert sich Robyn von einer Seite, die der Autor für existent hielt: Sie ist Kate Bushs rechtmäßige Nachfolgerin; was mit der fürchterlich verhallten 1980er Snare-Dum übrigens überhaupt nichts zu tun hat.

Fragmentrisch – dieses kleine Wörtchen sagt generell ganz viel über "Otherness" aus. Keine Komposition, bei der man nicht das Gefühl hat, da fehlt doch was, geht das so zusammen, wieso klingt das so unvollständig? – Dieser Ansatz jedoch scheint Kindness’ modus operandi zu sein. Wären seine Songs Wände – sie wären nur zur Hälfte verputzt. Was dem einen dann schlicht unfertig vorkäme, hätte für andere einen ganz speziellen Reiz. Zu diesen, den anderen, zählt sich auch der Autor. Der Demo-Status der insgesamt zehn Songs auf dem Album macht sie allesamt perfekt unperfekt – und wie geil ist das denn bitte.

Fast so überzeugend wie die Zitat-Anspielung, die Kindness nur allzu gern einbaut: ob Bruce Hornsby oder Mark Cohn auf "I’ll be Back", der Massive Attack Beat aus "This is not about us", das J-Lo Saxophon bei "World Restart". Habe ich den Eröffnungstrack  schon erwähnt? – Nein? – Dann wird’s aber Zeit. In aller Kürze: "World Restart" ist das Beste zwischen "Sign o' the Times" und Alexander O'Neal, was die zusammen nie gewuppt kriegen werden. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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