Haupt.Schlagader.Gewitter – „Artery“ von Brontide

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Aussehen wie Hurts, aber nach Maserati und Tycho klingen. Brontide wissen, wie man verwirrt. Nach "Sans Souci" bringen die Instrumental-Rock-Popper mit "Artery" nun bereits ihren zweiten Longplayer raus. Und der kann was.

Brontide
Artery
Holy Roar / Pink Mist / Alive
30. Juni 2020
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Die drei Herren haben mal wieder die Haare schön. Und das, obwohl die schnieken Scheitel einen ganz schönen Kontrast zum Rest der Klangerscheinung bilden. Nicht nur, dass einem alle Vorurteile der Welt ins Ohr schreien, Menschen mit Bros-Gedächtnis-Frisuren könnten nur Banknoten lesen. Die Akkuratesse des Haupthaars scheint darüber hinaus im Widerspruch mit sämtlichen amtlichen Rock-Klischees zu stehen: Ein Halstattoo ist zwar nicht zwingend, aber von dort aufwärts am ehesten Daniel von Schweden zu ähneln, ist – aus dieser Perspektive – alles andere als stilecht.

Aber wovon ist hier eigentlich die Rede?  Die Mailänder Modemesse ist woanders. Selbst wenn Brontide keine Skalps mehr hätten – ihre Musik würde noch immer bis in die Haarspitzen faszinieren. Denn egal ob Gitarrenbrett, Headbanger-Haltime-Grooves oder die große Sechsaiter-Zupfkunst – Brontide machen keine halben Sachen. Viel eher ist das Gegenteil der Fall. Was Brontide an Parts, Wechseln, Übergängen und Zwischenspielen in einem Song unterbringen, dafür brauchen andere eine ganze Diskographie. Das achtminütige Epos "Knifes" muss dafür als Paradebeispiel herhalten. Aber selbst auf dem kürzesten Song des insgesamt elf Tracks starken Albums, den radio-formatigen Dreiminutendreißig von "Caramel" erwecken Brontide den Eindruck, es handele sich dabei um so etwas wie ein EP-Medley.

Die gute Nachricht für Hörer: An Progressive-Experimenten haben Brontide keinerlei Interesse. Denn der Ansatz der drei Instrumental-Könner ist eigentlich ein ganz einfacher: Mit abwechselnd groovigen, und rockigen, melodisch aber ausnahmslos gefälligen Parts den Umstand, dass sich ihr Sänger seit Bandgründung nicht hat blicken lassen, lässig überspielen. Auf diese Weise gelingt William Bowerman, Nathan Fairweather und Tim Hancock ein kleines Wunder – denn niemand vermisst den Frontmann. Und die drei können sich umso intensiver mit ihren Einflüssen auseinandersetzen: Von Muse, über Maserati bis Modest Mouse und Mercury Rev. Von Karate über Built To Spill bis Pink Floyd.

Soviel zur Musik. Und ich ruf jetzt erst einmal bei Udo Walz an ...

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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