Schulze got the Blues – „Heated Land“ von Heated Land

heated land

Schlagzeug und Kontrabass als traditionelle Rhythmusgruppe? Gebongt. Gitarre und wie bitte, was – Mundharmonika? Es gibt Dinge, die sind sowohl häufiger als auch herkömmlicher als die Besetzung des Vierers, der mit "Heated Land" ein Debüt-Album vorlegt, das genauso heißt wie die Band.

Heated Land
Heated Land
K&F Records
6. Dezember 2013
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Dass das musikalische Personal in dieser Mischung als ungewöhnlich bezeichnet werden darf, ist das Eine. Spektakulär oder gar eine Weltidee ist es allein deswegen noch lange nicht. Umso erstaunlicher, das die auf ganz kleiner Flamme gekochte Heated Land-Suppe derartige Aromen freisetzt. Obwohl stark verwurzelt in ur-amerikanischen Musiktraditionen, gehören Andreas Mayrock und Kollegen aber keineswegs zu den militant Gestrigen. Nicht unwahrscheinlich, dass sie sich neben Alan Lomax auch mit Bonnie Prince Billy, den Moldy Peaches und vielleicht sogar Calexico auseinandergesetzt haben.

Meine Güte ja, das Namedropping. Entscheidend ist, dass sich Heated Land genau den Korridor, der sich zwischen diesen Polen auftut, ausgesucht haben, um ihn für sich zu reklamieren. Das Gefühl für den Groove von J.J. Cale, die Country-Sensibilitäten von Scott Walker und den am Ende doch bluesigen Stallgeruch all jener, die dem 12-Takte-Schema verfallen sind. Heraus kommt weder Roots-Blues noch Neo-Folk. Und vom belanglosen Unplugged-Purismus sind die Heißländer glücklicherweise ebenso meilenweit entfernt. Am Ende lässt sich eigentlich nur eines zweifelsfrei ausmachen: Heated Land machen - ganz bescheiden, aber umso bestimmter - ihr eigenes Ding.

Dafür in hohem Maße mitverantwortlich sind Andreas Mayrocks Mitmusiker. Denn was nutzen einem ein Dutzend theoretische Songskizzen, die es praktisch nicht gibt? Nicht, dass Schlagzeuger Christoph Dehne oder Bassmann René Stürmer weniger essentiell wären – aber musikalisch die Kohlen aus dem Feuer holt der Mundharmonika-Spieler Alexandre de Ligonnès. Wer mit diesem Instrument bislang vor allem Spiel mir das Lied Tod, Toots Thielemans und Stevie Wonder assoziiert hat, kann sich warm anziehen – was de Ligonnès seiner Mundharmonika für Töne entlockt (insbesondere dann, wenn er den Bogenstrich über eine Saite imitiert), würde wahrscheinlich sogar Lee Oskar die Sprache verschlagen. Apropos: Der Einzige nicht ganz so perfekt ausgearbeitete Aspekt dreht sich um den bisweilen arg manierierten Gesang Mayrocks. Der ist zwar so gut wie akzentfrei, kann sich aber nicht immer dagegen wehren, dass der Höreindruck "gewollt" schreit. Andererseits: es gibt Schlimmeres als dieses eine Manko. Viel Schlimmeres.  

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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