Heiß & Staubig – „Simoom“ von Ouzo Bazooka

Ouzu-Bazooka

Musikalisch gesehen ist Israel das Schweden des Nahen Ostens. Aus keinem anderen Land der Region kamen in den letzten fünf bis zehn Jahren mehr Musiker, die sich in Europa Gehör zu verschaffen wussten. Zu der Gruppe klang-kreativer Israelis gehören auch Ouzo Bazooka, die mit "Simoom" gerade ihr zweites Album veröffentlicht.

Ouzo Bazooka
Simoom
Setalight / Broken Silence
01. April 2016
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Setalight Shop

Und eines wird schon vor Ende des ersten Hördurchlaufs klar: Verglichen mit dem gleichnamigen Debüt, haben Ouzo Bazooka für "Simoom" ordentlich Meter gemacht. Will sagen: Die Band um Mastermind Uri Brauner Kinrot hat vorschriftsmäßig optimiert und in jeder positiven Hinsicht einen draufgelegt. Die Produktion: Homogener, zusammenhängender, wertiger und: Dem Album-Format angemessen rotfadig. Was auf dem Vorgänger dann und wann klang wie drei EPs zusammengestückelt, erscheint auf "Simoom" auch klang-atmosphärisch als eine Einheit. Die musikalische Ausrichtung: Na klar, Ost und West und wie die Himmelsrichtungen zusammenklingen könnten, sind auch auf dem aktuellen Album ein Thema. Allerdings kein beherrschendes mehr. Als weitaus wesentlicher erweisen sich musikalische Orientierungspunkte à la Stoner-Rock ("When She’s Away"), Psychadelic-Sixites-Pop ("Sugar Sand"), Synthie-Blues ("Mermaid Man") und exotischer Gitarren-Groove ("My Prince").

Dass man demnach Kyuss und Monster Magnet zusammen mit The Rascals, der Stax-Inhouse-Band und Serge Gainsbourg in den Topf mit den Zutaten schmeißt, ist kein Zufall, sondern ein wohlweislich überlegte Richtungsentscheidung. Weg vom Glam-Rock-Stampf, hin zu mehr Soul, Groove und Rhythmus, wo man mitmuss. Was den Kompositionen außerdem zugute kommt: Kinrot und Kollegen haben sich beim Songwriting offensichtlich mehr Zeit gelassen als noch beim Vorgänger. Das Ergebnis: Schlüssigere Strukturen, weniger Schablonen-Haftes, erhöhter Song-Dauer-Durchschnitt. Ob das noch immer der nach eigener Definition Middle Eastern Psychedelic Rock ist, den die Band auf ihrem Erstling zelebrierte, mag finden, wer will. Mit dem Titel "Simoom" hätte sich die Band kaum ein passenderes Bild aussuchen können: Auf deutsch Samum bezeichnet der Begriff einen von Frühling bis Frühsommer vorkommenden Sandsturm, der wortwörtlich aus dem Arabischen übersetzt Giftwind heißt. Lebensgefährlich wird es beim Hören von Ouzo Bazookas Zweitling zwar nicht unbedingt, dafür aber staubig, stürmisch und heiß. Kann man so machen!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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