Und der Beat bewegt Dich doch – „Heliocentric“ von Roman Rauch

romanrauch

Roman Rauch muss kein Künstlername sein. Und Roman Rammelt ist garantiert keiner. Ob Roman Schreiben einer wird, steht noch nicht fest. Allerdings könnte man sich das ganze Namensgedöns auch sparen und einfach nur darauf hinweisen, dass der in Wien beheimatete Rauch sein erstes Album veröffentlicht hat. Es heißt "Heliocentric".

Roman Rauch
Heliocentric
Klamauk
16. März 2015
7 / 10
Erhältlich bei HHV | Bandcamp | Decks

Apropos heißen – dass der Rauch einen seiner Titel "You Don’t Smoke What I Smoke" genannt hat, kann einem angesichts dieser Namens-Kapriolen ganz schön den Kopf vernebeln. Ist es dann überhaupt noch verwunderlich, dass Rauchs erster kurzer Longplayer auf einem Label namens Klamauk° erscheint? – Wir glauben, nein.

Seit rund fünf Jahren releast der Beatmacher als Roman Rauch auf diversen Labels höchst heterogene Sounds. Zumindest auf den ersten Blick. Denn im Grunde genommen ist Rauch ein klassischer Hip Hop Produzent, der jedoch große Unlust hat, sich auf Musik zwischen 90 und 95 Beats Pro Minute festschreiben zu lassen. So im ausschließlichen und total exklusiven Sinne. Stattdessen gehört Rauch zu den (noch immer viel zu wenigen) Knöppedrehern, die die klassische Take-A-Sample-And-A-Beat-Ästhetik der frühen Sprechgesangs-Kultur ebenso simpel wie kackfrech auf andere Genres erweitern. Mitunter auch solchen, die zur Hoch-Zeit der Boom-Bap-Sause als No-Go-Areas galten. In zwei, drei Worten: House, Techno und anderes elektroid Artverwandtes.

Die Berührungsängste sind lang passé – dass der Autor trotzdem drauf rumreitet, zeigt lediglich, wie alt der im Kopf tatsächlich schon ist...  Also, noch mal: Die Berührungsängste sind längst passé – das zeigte bereits im letzen Jahr und über die Maßen gekonnt und erfolgreich schon Max Graef. In der Tat ist er es auch, an dem sich Rauch und sein Werk werden messen lassen müssen - obwohl auch hier nicht alles ein Vergleich ist, was hinkt. Und doch: Der eine nannte sein Werk "Rivers Of The Red Planet", der andere kontert mit dem kaum weniger kosmischen "Heliocentric". Was das kopernikanische Weltbild mit Rauchs Musik zutun haben will bzw. wer denn da wohl die Sonne sein darf, um die sich alles andere dreht, steht in den – nein, das wäre jetzt überstrapaziert.

Kurz mal zur Musik. Der Album Opener ist ein ebenso solider wie herkömmlicher Sample-Beat, irgendwo zwischen 6th Borough Project-Edit und DJ Spinna-Deepness. Mit dem oben schon genannten "U Don’t Smoke What I Smoke" eröffnet Rauch die Tanzfläche: Handclaps, 70-80-70-80-Hi-Hats und ein hypnotisch gedachtes, am Ende aber doch leicht nerviges Vokal-Sample (ist das Isaac Hayes?) lassen House-Herzen höher schlagen; vom Fleck wegkommen geht aber eigentlich anders. Zum Beispiel mit dem fantastisch groovenden, weil eventuell discoideren "I’m Gonna Take All I Can Take", das erst mit dem spät einsetzenden Synthie-Bass und dann mit der wesentlich sparsamer dosierten Vokal-Sample-Zutat positiv überrascht. Ähnlich gelungen ist auch die Schlussnote des Albums "Cosmic Shit" – ein verhalten bouncender, mit viel Eigendynamik und Binnenentwicklung ausgestatteter Fünf-Minuten-Track, der es vermag, Sägezahn- und Swing-Freunde gleichermaßen zu verzücken.

Und dann gibt es auf "Heliocentric" auch noch "Brickhouse".  Was sich anhört, als würde man es von den Commodores kennen, ist in Wahrheit ein Song, der mit dem Sample, auf dem es aufbaut, steht und fällt: Das großartige "It’s Too Late" von der noch großartigeren Carole King. Rauch zerpflückt das Original, zerrt und rückt es sich zurecht, bis es in das Prokrustes-Bett passt, das der Beat ist. Wie er das macht ist zwar nicht neu – aber fett klingen tut’s allemal. Fazit: Keine Darfst-Du-Auf-Keinen-Fall-Verpassen Sternstunde, aber nicht zuletzt dank "It’s Too Late" auf jeden Fall einen Hinhörer wert.  

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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