Hip Hop Not Hip Hop – „Modern Thunder“ von Grand Analog

GrandAnalogNew1-small-KevinJones

"Don’t you confuse this with just rap music" – Grand Analog, bislang Kanadas best gehütetes Hip-Pop-Kollektiv-Geheimnis, bringen es in "Rap Sheet" vom aktuellen Album "Modern Thunder" gekonnt auf den Punkt: lange schon hat keine Hip Hop Platte mehr so wenig nach Hip Hop geklungen.

Grand Analog
Modern Thunder
ferryhouse productions / Warner
25. April 2014
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Genau genommen sind seit Mos Defs "The New Danger" schon 10 Jahre vergangen und "Phrenology" von den Roots ist sogar über 12 Jahre alt. Dem kreativen Anspruch der Kanadier tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Mit jedem ihrer Alben haben sich Grand Analog ein Stück weiter entfernt, von dem, was man für das klassische und deshalb vermeintlich einzig wahre Hip Hop Set-Up hält. Weil sich Odario Williams und Co vom 2-Turntables-And-1-Mic Ideal aber schon immer irgendwie limitiert gefühlt haben, bleiben sie sich in dieser Hinsicht troy.

Denn auch auf "Modern Thunder" sind sie mit ihrem Live-Instrumente-Plus- Sprechgesang-In-Einem–Ansatz viel näher an Pionieren des Hip Hop, als es den meisten Hörern bewusst sein dürfte. Gegen die Verwendung und den Einsatz von Samples  hat das inzwischen in Toronto beheimatete Quintett dennoch nichts, wie man sehr schön und vor allem auf "Wild Animal Print" und dem fantastischen "The Great Rhyme Dropper" hören kann. Es ist nur so, dass eine Live-Band klangtechnisch sehr viel mehr Möglichkeiten, sprich: Freiheiten bietet. Warum also freiwillig auf dieses mehr an Kreativ-Optionen verzichten?

Weil mehr Möglichkeiten immer auch bedeutet: Mehr Möglichkeiten zum Scheitern. Diese allerdings haben Grand Analog auf "Modern Thunder" auf wundersame Weise minimiert. So hat sich das Kollektiv beispielsweise auf eine wesentlich einheitlicher bzw. homogener klingenden Produktion einigen können, als es noch auf dem Vorgänger "Metropolis Is Burning" der Fall war. Dank dieses neuen und auch für außen besser wiedererkennbaren Klangprofils wirken die insgesamt 13 Stücke des Albums auch sehr viel mehr aus einem Guss. Das Ergebnis: Gitarrenlastigere Stücke wie "Modern Day Fool" oder "Gorgeous Jane" stehen weniger als rockige Ausnahmen dar, sondern präsentieren sich als Grand Analog-Produktionen mit einem etwas anderen Klangschwerpunkt.

Auch nicht unerheblich (und vom Autoren ganz besonders begrüßt): Das Herunterfahren des Reggae- und Dub-Anteils – mit nur zwei Stücken ("Unbearable Lightness" und "Take It Slow") hält sich der jamaikanische Anteil auf einem für Grand Analog Verhältnisse historisch niedrigen Niveau. Die restlichen 11 Kompositionen auf "Modern Thunder" changieren erfolgreich zwischen zeitgemäßem Retro-Schick ("Lions Head" & "Guys & Girls"), Trip-Popeskem ("Rap Sheet"), groovigem Indie-Rock ("People, People") und ansteckenden Gute Laune Raps  ("The Great Rhyme Dropper" & "Wild Animal Print"). Einzig und allein "Howl" und "Heart The Lonely Hunter" wollen sich nicht so recht einfügen. Weniger Will.I.Am und mehr Talib Kweli hätte hier vielleicht besser gepasst. Fazit: Jurassic 5 reanimieren und zusammen mit Ugly Duckling auf eine nimmer endende Welt-Tournee gehen.  

Foto: Kevin Jones

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.