Hippiefolk. Und Sowas. – „Chromatics“ von Diagrams

diagrams

Erst kürzlich war Ex-Tunng Sänger Sam Genders unter seinem Solo-Alias mit dem Video zu  "Phantom Power" hier auf Joinmusic  zu sehen und legt jetzt als Diagrams die Fortsetzung zum in 2012 veröffentlichten Erstling "Black Light" vor.

 

Diagrams
Chromatics
Full Time Hobby / Rough Trade
23. Januar 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Webshop

Lässt allein die Tatsache, dass "Chromatics", ebenso wie die Veröffentlichungen seiner Vorgängerband, auf dem englischen Vorzeigelabel Full Time Hobby erscheint, schon auf eine musikalische Ausrichtung irgendwo zwischen Indie und Folkreferenzen schliessen, bringen mit dem schon erwähnten "Phantom Power" und dem ungeschlagenen Ohrwurm "Gentle Morning Song" die ersten beiden Titel vollends Gewissheit über den eingeschlagenen Pfad.

Bewusst lo-fi und spartanisch gehaltener Indie vermischt sich mit psychedelischen Hallfahnen, himmlischen Chören und obligatorisch trippenden Vintage-Synthesizern, während elektrifizierte Gitarren gezielt Akzente setzen und perfekt mit dem garagigen Schlagzeugspiel harmonieren. Das Morse-Code-Intro des intim-balladesken Titelsongs lässt kurz an Kraftwerk denken, bevor sich "Chromatics" final als zurückgelehnt-moderner Campfire Folk für herbstliche Strandspaziergänge präsentiert, während "You Can Talk To Me" wieder mit einem  unbeschwert, musikalischem Hippiegefühl zu allerdings nicht ganz so unbeschwerten Lyrics aufwartet, dass genau diesen Crossover von Indie und Folk für die junge, hochtechnisierte Generation dieser Tage wieder attraktiv macht. 

Grosse, psychedelische Wogen von Sehnsucht und Melancholie umspülen das deepe "Shapes", das gleichzeitig den heimlichen Hit und dramaturgischen Höhepunkt auf "Chromatics" darstellt, auch wenn das bewegungsfordernde "Dirty Broken Bliss" im Konzert- und ggf. auch Partykontext sicherlich mehr Zuspruch erhält. Der "Serpent" mäandert um ein Grundgerüst aus Glockenspiel und shoegazenden Elementen herum, "The Light And The Noise" ist vielleicht der perfekteste Song des noch jungen Jahres, um in 2015 auf ungesattelten Pferden in Richtung Sonnenuntergang zu reiten, während das dramatische "Brain" mit seiner Dynamik zwischen akustisch und dräuend elektrisch besser zum sommernächtlichen Gewitter passt, an dessen Ende doch wieder die Sterne am Himmel funkeln. Final verabschiedet sich Sam Genders a.k.a. Diagrams danach mit dem besinnlichen "Just A Hair's Breadth" für einen kurzen Moment der Stille, bevor der geneigte Konsument gen Plattenspieler eilt und, nach einem kurzen Moment des Innehaltens, die Nadel erneut in die Einlaufrille der A-Seite setzt, um sich den angenehmen Klängen dieses durchaus gelungenen Albums zu widmen. 

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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