Hoffentlich kommt die Fauna bald – „Flora“ von Moullinex

Keine Chance. Auf die Tatsache, dass die französische Traditionsmarke für Küchenhelfer und den aktuell funkelndsten Stern am Disco-Himmel nur ein einziges "L" trennt, wird mit keinem Wort eingegangen. Geht es doch schließlich um das vom Letzteren gerade auf Gomma veröffentlichte Debüt-Album "Flora".


Moullinex Flora

 

Gomma / Groove Attack 26. Oktober 2012

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | Musicload


Seit gut zwei Jahren steht Luis Clara Gomes aka Moullinex beim Münchener Ausnahmelabel unter Vertrag. Mit nicht unbedingt zahlreichen, aber umso einschlägigeren Maxis hat er seine musikalische Stoßrichtung unmissverständlich kommuniziert: Get Down To It And Feel Good Disco für alle. Gomes ist dabei vollkommen schnuppe, aus welchen Dekaden der Tanzmusiktradition er sich bedient. Um zu erreichen, was ihm wichtig ist, fusioniert er, was auch immer miteinander funktioniert: die dicken Produktionen des Re-Edit-Wahns von heute, Bassläufe und Rhythmusmaschinen aus der Zeit der ersten Post-Disco-Depression, Pan-Flöten-Samples aus den 1990ern und die soulide Vocal-Wärme der noch immer maßgeblichen 70er Jahre.

Was Gomes im Vergleich zu anderen und nicht weniger mit Discosis infizierten Künstlern unterscheidet, ist, dass es ihm nicht in erster Linie um den möglichst perfekten Soundklon geht – Breakbot, ick hör' dir trapsen – sondern um eine bestimmte Atmosphäre, um eine Unbeschwertheit und irgendwie natürliche Ekstase. Selbstverständlich ist er dabei nicht wahllos und dürfte ganz genau wissen, welche Klänge er wie einsetzt – aber viele Wege führen nach Rom; und dieses Rom, das ist in Moullinex' Ohren kein Soundfetischismus, sondern der sorgenfreie Rhythmus, wo man mitmuss.

Auf seine ganz spezielle Art ist Luis Clara Gomes damit so etwas wie ein Disco-Hippie und einer der wenigen, denen die Fußspuren eines David Mancuso geradeso passen könnten. An seiner betont scheuklappenfreien Body-Music erfreuen sich Jungens und Mädels gleichermaßen. Ob dafür Jimmy Castors "E-man-Boogie" herhalten muss ("Undertaker"), obskur minimalistischer Quasi-House einen auf Disco macht ("Let Your Feet") oder man dank "Deja-Vu" und "To Be Clear" endlich zu verstehen glaubt, warum Daft Punk, Alan Braxe und Alex Gopher aus demselben Land kommen wie France Gall.

Falls das bislang untergegangen sein sollte – Moullinex ist nicht etwa nur Connaisseur und Collagist, sondern hinsichtlich des von ihm angerührten Tanzbreis durchaus eigen. Eine seltsamere Mischung aus Moroder-Geflimmer und Dschingis Khan-Geshoute wie auf "Take My Pain Away" ist dem Autor lange nicht untergekommen. Und das Titelstück, das sich zunächst ganz bescheiden gibt, um dann in einem Arpeggio-Gewitter zu explodieren, war so auch nicht zu erwarten. Und mit "Darkest Night" und "Tear Club" leistet sich Gomes lediglich zwei Ausreißer; da diese aber dank Insignifikanz aus der gauß'schen Diskonormalverteilung fliegen, bleibt sein ziemlich unglaubliches Qualitätsmittel davon unberührt.

Muss der Autor sich eigentlich noch zur besonders gelungenen "Maniac" Cover-Version äußern? – Nein, denn die wurde hier schon reichlich abgefeiert. Umso besser, dass sie sich auch auf "Flora" wiederfindet; diesem von vorne bis hinten gelungenen Debüt-Album des Disco-Musik-Beauftragten Louis Clara Gomes alias Moullinex. Danke, Gomma!

photo: Nian Canard

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