Hoffnungsfroh – „Hope Is Just a State of Mind“ von Little Comets

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Nach Hoffnung folgt? Naja, entweder die absolut frustrierende Enttäuschung oder eine positive Überraschung. Und nach dem Hören von "Hope Is Just a State of Mind" folgt? Für all diejenigen, die im weitesten Sinne etwas Besonderes erhofft haben, die positive Überraschung. Denn "Hope Is Just a State of Mind" von Little Comets ist ein Album, das nicht nur Pop bietet, sondern auch komplexe Melodien und ungewöhnlich Texte.

Little Comets
Hope is Just a State of Mind
The Smallest Label / Believe
30. Oktober 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Seit 2008 steht das britische Trio bereits auf eigenen Beinen und so ist "Hope Is just a State of Mind" bereits das dritte Album, das im Alleingang komponiert, aufgenommen, produziert, veröffentlicht und vertrieben wurde. Dieser Alleingang erlaubt es ihnen wahrscheinlich auch, über extrem ungewöhnliche Themen zu schreiben, zum Beispiel über die Karriere von Lance Armstrong oder über häusliche Gewalt, und diese Texte dann auch noch in komplexe Arrangements zu verbauen. Insgesamt passt diese Kombi aber sehr gut zusammen und es bereitet einem eine Hörfreude, taucht man erst einmal in diese dann im Paket doch sehr poppige Welt ein. Der Waschzettel verkündet: "Robert Coles, Michael Coles und Matthew Hall zaubern mit ihrem kompromisslos cleveren dritten Album erneut spannende Musik […] und schaffen einen weiteren Spagat zwischen aufrichtiger Kunst und massenkompatiblem Pop […]". Ja, das stimmt und nein, das ist nicht übertrieben.

Ähnlich experimentell unterwegs wie die Landsleute alt-j startet bereits der erste Song auf dem Album, "My Boy William", etwas ungewöhnlich. Zuerst klingt es, als wäre man in den Proberaum der Band eingeladen worden, ehe sich der Song langsam aber stetig zu einem soliden gitarrenlastigen Indie-(Rock)Song mit Kindergemurmel im Hintergrund aufbaut. Kein Wunder also, dass es in dem Song um elterliche Gefühle geht – auch kein allzu häufig vorkommendes Thema im Pop. In "B & B" und vor allem bei "Little Italy" wird deutlich, warum die Band auch immer mal wieder als die britischen Vampire Weekend bezeichnet werden – der Leichtigkeit, der ausgeklügelten E-Gitarren-Lines und des melodischen Grooves wegen. "The Gift of Sound" ist definitiv ein soundtechnisch gelungenes Geschenk und das darauffolgende "Formula", das die Bandentstehung thematisiert, schließt daran ordentlich an indem es erst dynamisch-poppig losgeht, ehe es sich dann mit schrägen Gitarrensounds in Richtung explosivem Höhepunkt entwickelt. "The Daily Grind" ist die ruhigste Nummer auf dem Album, der Song zum Durchatmen, ehe man sich bei "Salt" mit wirklich harter Kost auseinandersetzen muss. Der Song klingt so wütend und verletzend wie das, über das gesungen wird: Kindesmissbrauch. In "Effetism" stechen erneut die Gitarren und der Schlagzeugrhythmus heraus während die Karriere und der Skandal um Lance Armstrong besungen werden. Auch "Wherewithal" dreht sich um ein ungewöhnliches und unschönes Thema: häusliche Gewalt. Allerdings steht der Sound hier eher im Gegensatz zu dem, was besungen wird, klingt der Song doch eigentlich ein wenig so, als würde die Seele gestreichelt werden. "Don't Fool Yourself" mahnt auf funkig-poppige Art und Weise ehe "The Blur, the Line & the Thickest of Onions"  das Album abschließt. Worum es in dem Song geht? Der Titel lässt es erahnen - Blur Line Thick... man sollte aber am besten selbst mal reinhören, denn der Track hat's in sich.

Und das trifft auf das ganze Album zu. Harte, ungewöhnliche Themen werden zumeist ansprechend und butterweich verpackt, sodass man am Zuhören und am anschließenden Grübeln einfach nicht vorbeikommt. Wer das Denken ausstellt, kann aber auch einfach in komplexen und ansprechenden Indie-Pop eintauchen. Und hoffnungsfroh gestimmt sein, dass Pop doch mehr kann als zumeist gemunkelt wird. 

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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