House-Music – klassisch serviert ….

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...und am besten genossen in voller Lautstärke, bei mässiger Clubgrösse mit minimalstmöglicher Beleuchtung, in der Mitte einer zum Bersten gefüllten Tanzfläche voller netter, glücklicher, wenig medikamentierter und am Ende der Nacht schweissglänzenden Musikliebhaber und deren ebenso glücklich feierfreudigem Anhang. Dazu dezent eingesetzter Nebel und ein Morgen, das niemals anbricht. So stellt sich aus der Sicht des Rezensenten das ideale Setting für den Konsum der drei hier besprochen Tonträger dar. Denn wer braucht schon Tech-, Minimal-, Tuba-, Polka-, Electro- oder Progressive House, wenn sich dieser Tage House Music auch pur, ungefiltert und in seiner ursprünglichen Form in höchster Qualität auf schwarzrunden Vinyltonträgern findet? Back to the roots heisst in dieser Kolumne auch: zurück in die Zukunft.


Virgo Four
E-Series Part One

 

Chiwax v401
17. Februar 2014

 

Erhältlich bei:
Amazon | iTunes


Beginnen wir mit Virgo Four, die seit ihrer Quasi-Wiederentdeckung in 2010 durch Rush Hour und dem damit einhergehenden Rerelease ihres ursprünglich in 1989 auf Radical Records veröffentlichten "Virgo"-Albums zu den sehr späten Gewinnern der House Music-Bewegung gehören und seit dem immer wieder durch das Enthüllen restaurierter und bisher unveröffentlichter Perlen aus ihrer frühen Schaffensphase in Erscheinung traten. Mit den vier Tracks der neuen "E-Series" jedoch scheint zum ersten Mal wirklich neues, frisches Material an die Öffentlichkeit zu dringen, das – dem Ursprung und den Wurzeln in der Windy City geschuldet – immer noch den Geist von Jack atmet, diesen jedoch mit gepflegt deeper, schöngeistiger Melancholie, hormonstrotzend verführerisch sprechsingenden Vocals und immer wieder auch zwitschernden Acid-Anleihen zu paaren weiss und so vor allem die ganz späten Stunden in kleinen, rotgeplüschten Liebhaberclubs zu wirklich besonderen macht. Virgo Four still got the groove. 8 von 10 Punkte.  



Innershades
Toxic Trax

 

Stay Underground, It Pays
Februar 2014

 

Erhältlich bei:
Skylax


Mit seiner bereits fünften Veröffentlichung schickt das Skylax-Tochterlabel Stay Underground, It Pays auf der vorliegenden 12" sechs Tracks des noch jungen belgischen Produzenten Thomas Blanckaert a.k.a. Innershades ins Rennen, der die klassische Attitüde von rohem, ungezügelten Oldskool House quasi mit der Muttermilch aufgesogen haben muss. Zumindest den Bildern auf der Webseite seiner Bookingagentur Paramount Artists nach zu urteilen wirkt dieser wesentlich jünger als es ein Tracktitel wie "Dexter (87 Mix)" und die direkte Wirkungsweise der damit verbundenen Musik vermuten lässt. Scharfe, ungeschliffene HiHats treffen auf komplett unquantisierte, geradeaus marschierende Bassdrums, gespickt mit ebenso rohen, energiegeladenen Synthsounds oder gar Ravestabs und einfachen, zum Teil sehnsuchtsvollen Strings deren Ziel nur eines ist – die Mitte des Dancefloors und das darauf befindliche Herz der tanzenden Crowd. Eine Musik, die mit knapp 25 Jahren Abstand ein goldenes Zeitalter des Aufbruchs in Perfektion emuliert und trotz ihrer Aktualität – denn merke: Innershades veröffentlichte seine Debut-12" erst in 2013 – alle wohligen Schauer und Gänsehäute jener längst vergangenen Zeit problemlos ins Hier und Jetzt zu transferieren weiss, ohne dabei die Magie des Moments ausser acht zu lassen. Killer. Vollkommen berechtigte 10 Punkte.



Chez Damier
Classics

 

Mojuba G.O.D.
3. März 2014

 

Erhältlich bei:
deejay.de | Hardewax


"Forever Monna", "Don't Try It", "A Dedication To Joss", "The Feeling": Diejenigen, die allein beim Lesen der Tracktitel schon feuchte Hände bekommen und instinktiv die eingerosteten Lenden schwingen, lesen jetzt nicht weiter, sondern begeben sich ohne Umschweife zum Plattendealer ihres Vertrauens, um dieses Vinyl Only-Kleinod zeitnahst zu erstehen. Dem Rest sei gesagt, dass es sich bei diesen vier Tracks nicht nur um absolut zeitlose, vor musikalischer Schönheit nur so strotzende Klassiker handelt, von denen jeder für sich allein genommen schon die Quintessenz dessen ausmacht, was House Music in den Jahren 1993 bis 1995 bedeutete, sondern auch darüber hinaus noch einen individuellen schöpferischen Höhepunkt in der Produzentenkarriere Damier's markiert. Auch heute noch sollten diese Tracks zum Standardrepertoire in jeder geschmackvoll sortierten Plattenkiste in Sachen House Music gehören, da sie noch immer magische Momente auf dem Dancefloor erzeugen und sich wunderbarerweise auch im zweihundertsiebenundvierzigsten Durchlauf nicht im Geringsten abnutzen. Wenn es in 2014 ein clubmusikalisches Äquivalent zum Gefühl "nach Hause zu kommen" gibt, dann ist es diese 12". Wichtig. Und deswegen 9 von 10 Punkte

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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