Wow – „How Big, How Blue, How Beautiful“ von Florence + The Machine

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Was man angesichts der medialen Fokussierung auf Frau Florence Welch gern vergisst: Florence & The Machine sind ein Duo mit angeschlossener Band. Ist aber auch nicht so einfach, wenn die Frontfrau ihre Rolle derart sprichwörtlich nimmt und immer solo auf dem Album-Cover erscheint. So auch bei "How Big, How Blue, How Beautiful".

Florence + The Machine
How Big, How Blue, How Beautiful
Island / Universal
29. Mai 2015
10 / 10
Erhältlich bei Amazon | Amazon | HHV

Andererseits: Wer sämtliche Songs mitschreibt und diese dann auch noch als Sängerin interpretiert, darf sich zu recht als Erste unter Gleichen fühlen. Apropos gleich: Paul Epworth, Produzent von "Lungs" und damit so etwas wie der Mann der ersten Stunde, ist noch immer an Bord. Für "How Big, How Blue, How Beautiful" hat ihm Frau Welch den "Homogenic"-Macher Markus "Make It Sound Big" Dravs sowie den Arrangement-Spezialisten Will "Goldfrapp" Gregory als Adlaten an die Seite gestellt. Herausgekommen ist eines der wohl wichtigsten Alben der 10er Jahre.

Und das nicht nur, weil es keines Hellsehers bedarf, um "How Big, How Blue, How Beautiful" jenen überwältigenden Erfolg zu prophezeien, den es verdient. Kommerziell darf sich das Machwerk schon jetzt als Selbstgänger feiern. Aber auch auf der inhaltlichen, musikalischen und klanglichen Ebene setzt das Album Maßstäbe. Da wäre zum einen der eigentümliche und irgendwie ungewohnte Sound-Design: Dank Epworth und Dravs sitzen allein Stimme und Schlagzeug in der ersten Reihe. Sämtliche anderen Klangquellen müssen sich den Platz an der Sonne in jedem Song neu und mühsam erkämpfen. Bei der ersten Über-Single "What Kind Of Man" ist es die Gitarre, beim mit Fug und Recht zum Titeltrack erhobenen "How Big, How Blue, How Beautiful" sind es Gregorys Bläser-Sätze, die alles und jeden in den Schatten stellen. Der Bass darf nach einem orchestralen Intro bei "Queen Of Peace" ran. Und das Klavier beim darauffolgenden "Delilah". Dieser vor allem technische Kniff macht das Album nicht nur per se abwechslungsreich, sondern stärkt vor allem dem Wiedererkennungsfaktor Stimme den Rücken. Keines der beiden Vorgänger-Alben knüpfte diesen roten Faden derart dick.

"It’s The Hardest Thing I Ever Had To Do: To Try And Keep From Calling You" heißt es in "Caught" und im Titeltrack "Between A Crucifix And The Hollywood Sign We Decided To Get Hurt" – dass Frau Welch außer vergangener, präsenter und zukünftiger Liebe kaum Text-Themen parat hat, dürfte auch schon auf "Lungs" und "Ceremonials" aufgefallen sein. Und so positioniert sich auch "How Big, How Blue, How Beautiful" als ein emotionales Konzept-Album rund um den anscheinend nicht wirklich stabilen Gefühlshaushalt der noch immer nicht einmal 30-jährigen Florence Welch. Außerdem ist es das Album mit dem unzweifelhaft schönsten Cover in der Florence & The Machine Discographie.

Und hier kommt’s: "How Big, How Blue, How Beautiful" klingt immer dann am überzeugendsten, wenn Frau Welch so aus sich herausgeht wie auf "Third Eye" – einem Track, bei dem sie zumindest stimmlich alle, aber auch alle Register zieht: Singen, Schreien, Wüten, Schluchzen, Falsett, Bruststimme, und natürlich der Chor aus den eigenen Stimm-Spuren. Ein Grund, warum zum Beispiel "Mother" und "St. Jude“ – warum zum Teufel erinnert das nur so doll an Mount Kimbie? – den Album-Durchschnitt nach unten drücken – von 10 auf 9,5. Muss man haben! 

Foto: Universal Music

 

 

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