Ich Will Auch So Eine Stimme – „Wanted On Voyage“ von George Ezra

Danny North colour

Machen wir uns nichts vor: Wer gerade alt genug ist, um in den USA legal Bier zu trinken, dessen Timbre dafür aber vor einer Lebenserfahrung strotzt, die nicht in hundert eichene Jack Daniels Fässer passt, hat von Anfang an gewonnen. Auftritt: George Ezra und sein Debüt-Album "Wanted On Voyage".

George Ezra
Wanted On Voyage
Columbia / Sony Music
27. Juni 2019
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Diese Gewaltige-Stimme-Gleich-Halbe-Miete-Faustregel gilt über sämtliche Genre-Grenzen hinweg. Sarah Vaughan, Barry White, Janis Joplin, Joe Cocker und James Morrison werden das bestätigen können. Allerdings – aufmerksame Leser haben es bereits vermutet – reicht die halbe Miete keinen ganzen Monat. Gut für George Ezra: Den genannten prominenten Vorbildern nicht unähnlich, kann sich auch der Jungspund auf ein weiteres Pfund stützen. Nicht nur, dass er über ein unglaubliches Stimmvermögen verfügt. Was er singt, schreibt er alles selbst. Und gut ist es zum Überfluss auch noch.

So gut sogar, dass er sich konsequent von jeder Menge anderer singender Songwriter unterschiedet. Ob Poeten wie Maximlian Hecker, hauptamtlich Depressive wie Glen Hansard, Gesellschaftskritiker vom Schlage Billy Braggs oder Morrisseys, und sogar die vor Klischees nur so triefenden Passenger-Epigonen -  mit seiner durch und durch positiven Haltung steckt Ezra sie alle in die ordentlich gebügelte Button-Down-Hemd-Tasche. Anders als die professionellen Trauerklöße kann Ezra lachen, sich freuen, an Dingen Spaß haben. Wie zum Beispiel an seinem Job. Selbst dann, wenn der darin besteht, traurige Lieder zu singen. Ezra ist deshalb angenehm anders, weil man ihm abnimmt, aufrichtig ernste Musik zu machen ohne dabei an genau dieser Ernsthaftigkeit zu zergehen. Siehe auch "Leaving It Up To You" und "Breakaway"

Ob die Das-Leid-Der-Welt-kann-ich-sowieso-nicht-allein-tragen- oder Andere-Mütter-haben-auch-schöne-Töchter-Attitüde Zweckoptimismus ist? – Vielleicht. Bzw. Egal. Wenn dabei am Ende dreiminütige Lichtblicke à la "Blame It On Me", "Barcelona" oder "Stand By Your Gun" herauskommen, soll alles recht sein. Zum Sommer passt das eh besser. In diesem Sinn hat Ezra mit der Kaste der Lagerfeuer-Musikanten viel weniger zu tun als mit nischigen Kleinstpoppern wie beispielsweise Jason Mraz, Jim O’Rourke oder auch King Krule. Dass er sich den beiden ersteren auf "Wanted On Voyage" als Klangverwandtschaft ersten Grades anbietet, ist dann auch möglicherweise kein Zufall mehr. Fazit: Um die Miete muss sich Ezra für lange lange Zeit keine Sorgen mehr machen. Und wie ich schon sagte: Er hatte von Anfang an gewonnen. Ob mit oder ohne diese Review ...     

Foto: Danny North

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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