Ihr glaubt gar nicht, wie fertig – „Ready To Die“ von The Stooges

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Jim Osterberg macht, was Iggy Pop nie in den Sinn gekommen wäre – zu etwas zurückkehren, was man längst hinter sich gelassen glaubte und in diesem Sinne für überwunden hielt. Nach dem überdurchschnittlich glücklosen "The Weirdness" von 2007 erscheint mit "Ready To Die" bereits das zweite Album einer Band, die sich schon 1974 aufgelöst hatte.

Iggy & The Stooges
Ready To Die
Fat Possum / Pias / Rough Trade
26. April 2013
3 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Ob in Gedenken an den 2009 verstorbenen Gründungs-Gitarristen Ron Asheton oder an den eigenen möglichst komfortablen Lebensabend – die Revitalisierung der Stooges ist das Gegenteil von cool und kann doch nicht Pops Ernst sein – oder etwa doch? Wer Danny Sugermans "Wonderland Avenue" gelesen hat, weiß, dass Iggy Pop nur einer einzigen Sache verpflichtet ist: Iggy Pop. Ob der Rock’n’Roll bejubelt oder mit Füßen getreten wird, ob gerade Vollrausch oder kalter Entzug angesagt ist – was sich Herr Pop auf die Fahnen schreibt, hängt von seiner Tageslaune, den Drogen und natürlich dem Wind ab.

Dass Pop auf dem neuen Album der Stooges deshalb oft klingt wie eine Mischung aus Frank Zappa und den Sisters of Mercy verwundert deshalb nicht wirklich. Dass aber auch der Rest der Band verdächtig oft typische Südstaaten-Rock-Anleihen zum Besten gibt ("Ready To Die" & "Beat That Guy"), umso mehr. Ist es Gitarrist James Williamson, der als IT-Spezialist mehr Zeit im Silicon Valley verbracht hat, als auf der Bühne oder im Proberaum? – Sind es die ungewöhnlich vielen Gniedel-Soli, die den angeblichen Prototypen-Punkrock so entwerten wie sonst nur ein Automatik-Getriebe in einem Porsche? Oder ist’s der Saxophonist Steve Mackay, dessen Beiträge auf dem aktuellen Album leider einfach nur deplatziert wirken?

So viele Fragen und doch kaum Antworten. Fakt ist, dass sämtliche Re-Master - ob in speziellen Producer-Abmischen oder nicht – über einen ansprechenderen Sound verfügen als "Ready To Die". Ja, der Versuch, sich an das Klangideal von damals heranzuarbeiten, wird respektiert. Und nein, geglückt kann man das leider doch nicht nennen. Pops Stimme einfach lauter abzumischen, wird dem Problem ebenso wenig gerecht. Fazit: langweilig, um nicht zu sagen überflüssig.   

photo: David Raccuglia

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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