Immer der Nôze nach – “Body Language Vol.11″ von Nôze

Mai 23, 2012

Etikettenschwindel? – Iwo! Dass der 11. Teil der "Body Language" Mix-Serie nicht wie auf dem Cover großflächig behauptet von Nôze kompiliert und gemischt wurde, sondern lediglich von nur 50% des Elektronika-Projektes aus Frankreich, ist kein bisschen schlimm. Vielleicht sorgt die Tatsache, dass sich nur Nicolas Sfintescu um die Auswahl und den Mix gekümmert hat, sogar für mehr klangliche Homogenität, als die beiden Nôzes zusammen je bewerkstelligt hätten ...


Nôze
Body Language Vol.11

 

Get Physical / Rough Trade
18. Mai 2012

 

Erhältlich bei:
Amazon | iTunes | Musicload


Wobei – auch so ist das Album ein Ritt durch allerlei musikalische Gefilde. Darunter mitnichten nur elektronische. Der wohl krasseste Ausreißer diesbezüglich ist dabei wohl "Tu Veux Ou Tu Veux Pas" von dem französischen Klarinettisten Marcel Zanini – eine swingende Boogaloo-Nummer aus dem Jahre 1970, die von Four-To-The-Floor noch nie was gehört hat. Auch sonst mischt Sfintescu munter drauf los. Downtempo-House trifft auf Deep Techno, Old School Beats auf Sounds von Übermorgen und Gefrickeltes auf Ballerei. Wie sonst ließen sich Nummer wie "A Drumstick And A Light Fixture" von Jerome Sydenham und Dennis Ferrer auf ein und derselben Veröffentlichung mit Tracks wie "Dub Praise" im The Revenge Remix oder auch dem Hemman-Edit für Oliver Koletzkis "Arrow And Bow" unter einen gut klingenden Hut bringen?

Dass sich Sfintescu nicht nur bei der Auswahl sondern auch beim Mischen selber die allergrößte Mühe gegeben hat, ehrt ihn. Die aller Wahrscheinlichkeit aber nicht gerade unaufwendigen Editier-Arbeiten dürften allerdings nur ganz großen Kennern auffallen – ansonsten gilt an dieser Stelle, was sonst nur Geheimdienste für sich reklamieren dürfen: wenn man nichts von ihnen hört, haben sie einen guten Job gemacht. Vor diesem Hintergrund sind eben auch die Anpassungen zu bewerten, die Sfintescu beinahe jedem der von ihm ausgesuchten Songs angediehen ließ – dank dieser klingt der Mix nahtloser denn je.

Die technische Perfektion in dieser Hinsicht aber ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass eben auch scheinbar nicht Zusammengehörendes zueinander findet und aneinander gereiht ganz fürchterlich viel Klangsinn ergibt. Sfintescus Gespür für genau solche Schnittstellen ist ebenso lässig wie beeindruckend. Nur recht, dass er auf der Kompilation auch Produktionen aus eigener Hand mit einflechten konnte, darunter auch der Eröffnungstrack von seinem Projekt Hemingway sowie das irgendwie an "Hay Consuelo" erinnernde "Amor Do Olinda". Wer weiß – vielleicht haben sowohl Pier Bucci als auch Herr Sfintescu sich ihre Inspiration ja vom selben brasilianischen Urvölkchen geholt ...

Einen regelrechten Tiefpunkt musikalischer Art weist der Mix dennoch auf: der Möchtegern-Schaffel "Coming Home" von Makossa und Megablast passt weder rhythmisch noch anderweitig und reißt ein Loch in den sonst so ausgesprochen gelungenen Mix, der mit dem Ame-Remix von dops "No More Daddy", Siopis "Really Love Ya" und Ornettes "Crazy" im Nôze-Remix einen würdigen Abschluss findet. Schickes Ding!

Posted by: Thomas
Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -
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