In die Disco will ich auch – „Spanish Disco“ von Léyya

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Das ist ja ein Eferding. Die in sämtlichen offiziellen Presse-Materialien vornamslosen Protagonisten des oberösterreichischen Duos Léyya sind zwar inzwischen von ihrer Heimat Eferding in die zentralösterreichische Metropole Wien gezogen. Der Besonderheit ihres Debüt Albums "Spanish Disco" tut das aber keinen Abbruch.

Léyya
Spanish Disco
Las Vegas Records / Rough Trade
15. Mai 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Las Vegas Records Shop

Natürlich hat der Autor aus Piefkenhausen das Zweigespann aus Ösiland nicht entdeckt. Das kriegt die Alpenrepublik ganz gut selbst auf die Reihe – siehe auch Bretterbauer, The Boys You Know und Bilderbuch. Dennoch ist angesichts der sich eigentlich überlappenden Kulturlandschaften erstaunlich, wie unabhängig bzw. separiert voneinander die beiden Pop-Märkte agieren. Soviel also zur Soziologie. Und was eigentlich zum Ausdruck gebracht werden sollte: Es brauchte zwei erfolgreiche Singles ("Drowning In Youth" und "Wolfes", deretwegen der Autor auf keinen Fall vom Stuhl gekippt wäre) und diverse in- und offizielle Titel (FM4-irgendwas), bevor Léyya mit "Superego" auch diesseits von Bayern entsprechend einschlugen.

Dass das grandiose "Superego" kein Ausreißer bleiben würde, war eine Ahnung, die sich mit jedem Durchlauf von "Spanish Disco" immer weiter bestätigte. Die Tom Vek’sche Qualität der "Superego"-Single – Hi-Lo-Fi – findet sich in beinahe jedem einzelnen der insgesamt dreizehn Tracks auf dem Debüt wieder. Allerdings setzen die beiden einzigen Mitglieder der Band auf wesentlich mehr Pop-Appeal: Klarere Strukturen, kürzere Songs, deutlichere Kontraste, Hooks, die sich in den Gehörgang bohren. Dass sie dennoch kein Stück nach Aluna George, Electric Youth und Clarence & Napoleon klingen, sondern wie ein Mischung aus London Grammar und Portishead auf Anti-Depressiva, ist die eigentliche Überraschung ihres Debüts. Wollte man "Spanish Disco" nur nach dem Klangdesign beurteilen bzw. historisch verorten, kämen theoretisch die gesamten letzten 25 Jahre in Frage.

Gleichzeitig darf angezweifelt werden, ob die von Léyya so geliebten elektroakustischen Bordun-Bässe (auch deswegen klingt "Hooligan" nach Dead Prez’ "Hip Hop") zu Zeiten von Smoke Citys "Underwater Love" so tatsächlich schon denkbar waren. In jedem Fall demonstrieren Léyya, dass die Jahre in Eferding kein vom Rest der Welt abgeschiedenes Exil bedeutet haben. Anders wäre die Instrumental-Hommage an Brian "Lever Eno" doch wohl kaum denkbar – oder? Für diesen mehr als fruchtbaren Boden sprechen nicht nur die drei wirklich sehr unterschiedlichen Singles. Sondern auch die selbstverständlich alles andere als bezugsfreien Titel wie "Brando", "IDM" und "Acid/Outro". Dass nicht alles Gold ist, was aus der "Spanish Disco" dröhnt – so zum Beispiel das etwas belanglose "Jordan" und die, nennen wir sie Ambient-Skizze "Coma Kit" – geschenkt. Woll’n doch mal sehen, was die "Spanish Disco" als After Hour anzubieten haben wird ....  

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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