International Folk – „Sleeping Operator“ von The Barr Brothers

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Immer diese Brüderpaare. Dabei ist’s bei den Barrs doch eher wie bei Van Halen: Brad gniedelt,  Andrew trommelt und die anderen beiden – Harfenistin Sarah Pagé und der Typ an den Tasten, Andrès Vial – gehen eher als Wahlverwandte durch. Jedenfalls haben die vier mit "Sleeping Operator" ihr zweites Album voller großartigem Erwachsenen-Folk aufgenommen.

Barr Brothers
Sleeping Operator
Secret City / Rough Trade
10. Oktober 2014
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Allerdings hat der Folk, den die Barr Brothers auf "Sleeping Operator" zelebrieren, mit dem Woody Guthrie- und Bob Dylan-Klischee nur ganz wenig am Hut. Logisch:  Uramerikanisches Liedgut und die Traditionen ihrer Heimat prägen auch das zweite Album dieses klanglich quietschbunten Quartetts; was man bei "Wolves", "Even The Darkness Has Arms", dem stark an Ben Harper erinnernden "Valhallas" und der Captain Beefheart Reminiszenz "Half Crazy" sehr viel deutlicher heraushört als beispielsweise beim Album-Opener "Static Orphans"/"Love ain’t Enough" , dessen simples aber effektives Harfen-Motiv und die sich daraus herausschälende Andeutung von Polyrhythmik doch eher Assoziation mit sehr viel exotischeren Klangkulturen wecken.

Afrikanisch, asiatisch, südamerikanisch – so ganz exakt lässt es sich halt nicht identifizieren. Aber genau das ist es, was "Sleeping Operator" zu einem derartigen Hörvergnügen macht. So nichtssagend das klingt: Ihr Sound ist international ohne auch nur einen Hauch von Weltmusik zu evozieren. Stattdessen schaffen sie - wie bei "Little Lover" - eine Emulsion aus europäischer Folklore und asiatischer Pentatonik, die sie zu allem formidabel klingenden Überfluss auch noch mit einer bluesigen Mundharmonika garnieren – gerade so, als wollten sie Tom Waits Bescheid geben, dass es ihn nun nicht mehr braucht.

Nur, um gleich mit der nächsten Nummer "How The Heroine Dies" ein tot-trauriges Schlaflied zu kredenzen, das noch einen Bonnie Prince Billy zu Tränen rühren würden. Wenn man allerdings überhaupt von einem Ersten unter Gleichen sprechen kann, dann wohl bei "Come In The Water" – einem merkwürdig zwischen Zuversicht und Melancholie mäandernden Knapp-Sieben-Minüter von zeitloser Eleganz. Nicht nur, dass es der mit Abstand längste Song auf dem Album ist – auch stimmlich zeigt sich Barr-Bruder Brad nirgendwo vielseitiger, von dem Grosse-Kino-Gitarrensolo gar nicht erst zu reden. Starkes Album!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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