The House That Jack Built – „Irrational“ von Jack Beauregard

Jack_Beauregard_2013__Credit_Jesper_Ipsen_

Time to Jack? – Nun ja. Von Chicago dürften die Herren Beauregard gewiss gehört haben. Wie aber alle anderen popmusikalische Phänomene der Vergangenheit, bleibt auch House nur eine von vielen Farben, mit denen Pär Lammers und Daniel Schaub ihre Leinwand bestellen. Konsequent strotzt die Musik auf dem neuen Jack Beauregard Album "Irrational" nur so vor Hinweisen auf das jüngere und ältere Damals.

Jack Beauregard
Irrational
Tapete Records / Indigo
07. Juni 2018
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Einen - nennen wir es - historischen Schwerpunkt gibt es dennoch. M83, Anoraak und Chad Valley nicht unähnlich, geben sich Lammers und Schaub als Connaisseure der frühen 1980-er zu erkennen. Einer Zeit, in der die Nachwehen des Disco-Crazes (Tanz-Tempi, Slap-Bässe, verkokster Hedonismus) genauso unüberhörbar bleiben, wie der Einzug jener Entwicklungen, welche die damalige Zukunft bedeutet haben (Synthies noch und nöcher, Effekte im Überfluss, digitales Schlagzeug und Drum-Computer). Und nicht zu vergessen: Saxophon-Soli. Gepaart mit wesentlichen Songschreiber-Sensibilitäten einiger Brill-Building Größen kommen Jack Beauregard dem Ideal einer Ur-Popsuppe schon ziemlich nah. 

Wie sublim Jack Beaureagard die unterschiedlichen Einflüsse verarbeiten, lässt sich an "Silver Mine" eindrucksvoll demonstrieren: dem simplen bis monotonen und gleichzeitig unterproduzierten Puls wird eine komplexen Harmoniestruktur gegenübergestellt, die konstant Oberwasser behält. Man mag sich gar nicht ausmalen, was Armand van Helden oder französische Filter-Fürsten aus einer solchen Vorlage gewuchtet hätten. Nur einen Song später zeigen Lammers und Schaub, dass sie keineswegs an einem Understatement-Komplex leiden, laut knallen können und ihre Pappenheimer (Duran Duran, Wet Wet Wet und Hong Kong Syndikat) gut kennen. Für das energische "The Harbour" mit seinem In-The-Air-Tonight-Schlagzeug und den Sopran-Sax- und Gniedel-Gitarren-Soli gilt das natürlich genauso.

Immer wieder (genauer: bei "It’s Going Down" und "Houston") wird der Autor daran erinnert, das Erlend Øyes Whitest Boy Alive Projekt einflussreicher war, als jemals für möglich gehalten. Dass beide Nummern zu den Album-Höhepunkten zählen, spricht sowohl für Herrn Oye als auch für Jack Beauregard. Dass Jack Beauregard überhaupt an der Schnittstelle von Organisch-Analogem und Digital-Programmiertem arbeiten können, haben sie der Tatsache zu verdanken, auf "Irrational", ihrem mittlerweile ja dritten Album, zum aller ersten Mal mit – wie sagt man das jetzt – richtigen Gastmusikern kollaboriert zu haben. Diese Unbestimmtheit gibt "Irrational" etwas Schwereloses, Dahin-Schwebendes. Aber leider gibt es dem Album eben auch etwas Schwereloses, Dahin-Schwebendes. Vor lauter Klangflirren bleibt von Stücken wie  "Cologne" oder dem seltsam deplatziert wirkenden "For All The Time" nur der Eindruck, dass der Wunsch, viel helfe viel, Vater des Gedanken war. Andererseits: das sind nur zwei von zehn. Acht Punkte.

Photo: Jesper Ipsen 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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