Pop wie ein 3 Sterne Döner – „IS“ von Hey Ocean!

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Drei is' 'ne Party – was auf dickliche Brötchen kurz vor der Midlife-Crisis zutrifft, gilt erst recht für die Kanadier von Hey Ocean!. Vor gut fünf Jahren als zwanglos steckenpferdiges Jam-Projekt begonnen, sind sie mittlerweile sogar über den Geheimtipp-Status erhaben. Mit ihrem dritten Album "IS" liefern Hey Ocean! stichhaltige Beweise.

Hey Ocean!
IS
Nettwerk / Soulfood
23. August 2013
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Um den Brei zu reden, bringt nichts. Ashleigh Ball, David Beckingham und David Vertesi machen reinrassige Popmusik. Catchyness wird hier nicht einfach nur großgeschrieben, sondern ist das Fundament, auf dem der gesamte musikalische Rest aufbaut. Und das war’s dann auch schon in Sachen Gemeinsamkeiten mit den Carly Rae Jepsens, Icona Pops und Lena Meyer-Landruts dieser Welt. Warum zu Vergleichszwecken nur weibliche Interpreten herangezogen werden, wo Hey Ocean! doch neben Ashleigh Ball auch die beiden Davids als gleichberechtigte Sänger anführen könnte, theoretisch zumindestens? – Weil Frau Ball praktisch nun mal Frontfrau ist.

Dass es unter anderem ihre Vielseitigkeit (Madame spielt auch Querflöte) ist, die eine ordnungsgemäße Schubladisierung nicht nur erschwert, sondern geradezu verhindert, unterscheidet Hey Ocean! wohltuend vom weniger maßgeblichen Rest. Frau Ball kann lolitahaft-sinnlich klingen wie einst nur Nina Persson (überhaupt bieten The Cardigans eine ganz gute klangliche Orientierung); sie beherrscht die abgeklärte "Ich-hab-alles-schon-gesehen"-Attitüde à la Rilo Kileys Jenny Lewis aber genauso wie den Nicht-von-dieser Welt Klang einer Kim Deal. Ob das wohl der Grund ist, warum "Change" deren berühmtes "Cannonball" zitiert?

So ohne Weiteres einnorden lassen sich Hey Ocean! also nicht. Dass aber auch diese Medaille nicht ohne Kehrseite daherkommt, haben sich ganz schlaue Leser wahrscheinlich schon gedacht. Für ihre musikalisch-klangliche Versatilität bezahlen die drei Kanadier zwar keinen wirklich hohen Preis, gratis gibt’s sie dennoch nicht. Und so zerfällt "IS" in drei Hälften (und wie das aufgeht!): 1. Die gelungenen Uptempo-Sofort-Ohrwürmer vom Stile "Make A New Dance Up"; 2. Der im Vergleich dazu leider nicht ganz so überzeugende Durchschnittspop ("Islands" und "New Love") und 3. jene Songs, die Hey Ocean! von ihrer individuell stärksten Seite zeigen und von denen es folgerichtig noch sehr viel mehr auf dem Album geben sollte: So wie der Album-Opener "If I Were A Ship" zum Beispiel. Was nicht "IS", kann immer noch werden...

Foto: Rick Baker

 

 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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