Israeli Gears – „Pangaea“ von Acollective

PR1_COLLECTIVE

Israel und innovative Popmusik? – Die Bande ist enger, als man gemeinhin für möglich hält. Wie eng genau, das machen derzeit u.a. das Buttering Trio, Adi Ulmansky und Tiny Fingers deutlich. Noch sinnfälliger ist da nur Acollective. Mit ihrem neuen Album "Pangaea" legt das Septett die Messlatte ziemlich hoch.

 

Acollective
Pangaea
Alcopop! Records / Believe Digital
24. Oktober 2014
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Bandcamp

"Pangaea", der einstige Riesen-Erdteil, aus dessen kontinentalen Einzelteilen die Welt, wie wir sie heute kennen, besteht, ist ein immer wieder gern genommener Topos. Wohltuend überraschend daran ist nur, dass Acollectives Musik nicht annähernd so mythisch daherkommt, wie es der Titel ihres Machwerks nahelegt. Ganz im Gegenteil: Die laut Packungsbeilage angeblich schon seit Schulzeiten einander zugetanen Sieben, rockpoppen sich wunderbar weltlich und ohne Angst vor Verlusten bei selbst ernannten Genre-Polizisten durch ihr zwölf Songs starkes Album. Warum da immer von Folk-Rock die Rede ist? – Keine Ahnung. Was das mit dem Altrock der Simple Minds, als deren Warm-Up Acollective engagiert waren, zu tun haben soll? – Ach so, die haben auch einen Schlagzeuger. Verstehe.

Die allererste Klang-Assoziation des Autors waren Royal Canoe. Anders als die Kanadier allerdings legen die Israelis viel weniger Wert auf Stolper-Metren, sind nicht ganz so verbissen an der Nahtlosigkeit einer Symbiose aus Organischem und Elektronik interessiert (obwohl Acollective ebenso an dieser Baustelle arbeiten) und geben sich auch sonst einen wichtigen Tick bauchiger. Das alles kommt der Eingängigkeit ihrer Musik naturgemäß zu pass. Auch wenn sich nicht alles so greifbar anhört wie die übergroße Single "Breakapart" – einem an unmittelbarer Catchiness kaum zu übertreffendem Eintopf aus Suede, New Radicals, Scissor Sisters, Maroon 5 und den Dandy Warhols.

"Over The Mountains", der "Pangeae"-Eröffnungstrack, haut in die gleiche Kerbe, wenn auch etwas elektronischer und nicht ganz so überzeugend. "Beating Heart Cadavers" – das nicht nur wegen seiner Sechzehntel-Snare-Rolls etwas Militärisches hat – dito. "We Never" stellt sich der Autor live als besonders hörenswert vor: Die sich über die gesamte Länge des Songs aufbauende Dynamik wird durch das erzwungene Banjo-Ende – das anscheinend sein musste, weil das darauf folgende "Locket" mit einem Banjo beginnt - leider abgewürgt. Als rhythmisierte Ballade funktioniert vor allem "Custom". Tja, und der Rest? – Gibt Rätsel auf. Nicht so, wie Kunst von John Cage. Eher wie Joaquin Phoenix, als der nicht mehr schauspielern, sondern nur noch rappen wollte. "Happiest Of All Memorial Days"? Das halbgar zwischen Blur und Pulp feststeckende "Fine"? Die Daumenklavier-Minisinfonie "Pancakes"? – Die Antwort ist ein Zitat: Müssen Alle Mit. Selbst dann, wenn es nur um "Breakapart" geht. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.