Italians Do It Better – „B.O.A.T.S.“ von Clockwork

Clockwork

Mächtig gewaltig. Nicht, dass Gesichtscollagen etwas über die Maßen ungewöhnliches wären. Wie man allerdings gerade bei Silly feststellen konnte, fallen Abweichungen vom Durchschnitt unmittelbar auf. Und während die deutschen Poprocker den Qualitätsstandard eher unterlaufen, legen die Italiener von Clockwork die Latte mit ihrem Debüt-Album "B.O.A.T.S." ein ganzes Stück höher.


Clockwork
B.O.A.T.S.

 

Life & Death / Rough Trade
13. April 2013

9 / 10

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | KJPC


Fast noch beeindruckender als die gelungene Covergestaltung allerdings ist die Musik auf "Based On A True Story", so der vollständige Titel dieses außergewöhnlichen Debüts. Was das italiensche Duo dabei besonders auszeichnet, ist die scheinbare mühelose Verflechtung unterschiedlichster Spielarten elektronischer Musik zu einem sinnfälligen Ganzen. Ein ebenso kaltes, wie wuchtig-bebendes Bassfundament zeigt an, wo Clockwork herkommen: dunkelbunter Techno für die Stunden im Fabric, Space und Berghain, in denen garantiert nur noch die Türsteher nüchtern sind. Eine kleine, dafür umso voluminösere Kickdrum bereitet den Boden für Form-Follows-Function-Hi-Hats und minimal-verstrahlte Arpeggien-Schnippsel. Soweit, so wenig originell möchte man meinen. Pig & Dan haben vor mehr als 6 Jahren einen ganz ähnlichen Ansatz gewählt.

Die Uhrwerker allerdings fangen jetzt erst an: über das wirkmächtige Fundament schichten sie Lage um Lage rhythmischen Lärm. Dabei kann es sich um Klangelementares aus der neu-englischen Schule um Mount Kimbie, Ramadanman und SBTRKT handeln ("Places", "This World Is Not Designed For Us"); um Stör-Geräusche in der Tradition von Robag Wruhme und den Wighnomy Brothers ("Subterfuge", "The Quiet" & "Second Floor"); um einen ganz straighten Techno-Meets-House Ansatz irgendwo zwischen Mathias Kaden und Slam ("Oblique" & "False Matters") oder eben auch ganz ohne vergleichbare Vorbilder auskommen – wie bei "Running Searching", bei dem ein Gastauftritt von Chasing Kurt einem jedes Härchen im Nacken einzeln aufstellt.

Außerdem überragend: das konsequente Sounddesign. Eine begrenzte Auswahl an Klängen und Parametern hilft, alle Songs auf dem Album als Teil bzw. Element einer größeren Einheit zu identifizieren. Inwieweit die etwas hühnerbrüstige Konzeptalbum-Geschichte (deswegen auch "Based On A True Story") dafür verantwortlich zeichnet, kann der Autor nicht ermessen. Für das Klangergebnis selber ist das glücklicherweise vollkommen unentscheidend. Klassiker? – Noch nicht. Top 2013? – Schon jetzt.   

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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