Jazzin’ The Oberlausitz – Café Jazz’ “Achtzehndreißig”
Juli 18, 2012"Fünf Jungs aus einem Nest in der ostdeutschen Provinz, das doch mitten in Europa liegt, in ihren Songs liegt Überschwang und ein bisschen Melancholie, die Sonne scheint. Guter Stoff zum Losgehen." - Zeilen für eine Ewigkeit, die der Autor keinsfalls erleben zu gedenkt. Nicht einmal Waschzettel sind mehr, was sie waren. Gut, dass Café Jazz mehr zu bieten haben.
Soundso / New Music Distribution
22. Juni 2012
Erhältlich bei:
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Was auf den ersten Blick an's R&S Records Logo erinnert, entpuppt sich nach erstem Hören als denkbar weit entfernt von den Veröffentlichungen des belgischen Elektronika-Labels: deutschsprachig, akustisch, handgemacht. Und vor allem – Pop. Insofern bleibt der Fünfer aus Bautzen vom ersten Takt an die Antwort auf die Frage schuldig: Warum Café Jazz und nicht Bistro Pop? – Weil ein Saxophon, das sich nach David Sanborn und Candy Dulfer gleichzeitig sehnt, automatisch qualifiziert? - Steve Kuhnen, dem Saxophonisten der Melange-Meier, soll damit keineswegs die Butter vom Blatt genommen werden – seine Einsätze zeigen, dass er zu den fähigeren zwei Dritteln der Band gehört (und das nicht nur bei "Beweg Dich"). Aber Jazz? Dieses "Qualitäts-Siegel" hatte schon der gleichnamigen Kantine eher Bürde denn Auszeichnung bedeutet. Allerdings: Namensgebung fällt unter Band-Hoheit. Dann lieber Handfestes.
Obwohl es den Anschein hat, als hätte der Aspekt "Produktion" bei der Produktion keine allzu vordergründige Rolle gespielt - das macht die folgende Aufzählung umso verblüffender - überzeugen Café Jazz mit eingängigem Songwriting ("Herbstzeit", "Soweit" und "Ich Danke Dir"), ordentlich Mitsing-Potential und instrumentalem Know-How. Die musikalische wie genretechnische Bandbreite beeindruckt. Der (trotz dieser Feststellung) Ausreißer "Beweg Dich" deutet an, wozu man im Café noch alles fähig ist. Für den Morgen-Macchiato sollte die Mischung aus Jamiroquai-, Benjamin Diamond- und Zweiraumwohnung-Aromen allemal angebracht sein.
Genau diese Bandbreite aber geht Sänger Jan Philipp Schneider ab. Mit einem Ambitus von einer halben Oktave wie Clueso im Stimmbruch klingen, prädestiniert normalerweise nicht für den Job als Frontmann. Das ist insofern schade, als dass seine Texte ansonsten kaum zu Wünschen übrig lassen - von ein paar Ausrutschern abgesehen. Als einen davon könnte man man die Single "Alles Beim Alten" werten - die hiphopesken Anleihen erweisen sich als Fettnäpfchen par excellence. Café Jazz haben das wohl anders gehört. Bleibt zu hoffen, dass die Band zu einem Sechser mit Frontsau erwächst.
Ganz besonders angetan hat es dem Autor "Viel Mehr", eine gelungen rockende Symbiose aus Stadion-Hymne, Nile Rogers-Gitarre und Kenny G. Schmalz. Warum aber auch bei dieser Nummer Klangexperimenten im Stadium einer Ideen-Skizze nicht Einhalt geboten wird - beim 2. "Wenn Du mir ein Lächeln schenkst / pack ich's langsam aus" rumpelt im Hintergrund ein unergründliches Filter-Schlagzeug - man weiß es leider nicht. Die Kaffeehausexperten dürfen das gerne bei der ein oder andere Tasse besprechen. Bis hierhin steht fest: Café Jazz besetzen glücklich jene Nische, die sich zwischen Tele auf der einen und Ben*Jammin auf der anderen Seite auftut. Das machen sie gut. Auf dem nächsten Album vielleicht sogar noch besser.

