Jenseits des Mainfloor – Ausflüge ins musikalisch Ungerade

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Die Tanzfläche. Erfüllungsort vieler, wenn zuweilen auch undefinierter, Träume. Geprägt von nahezu magischer Anziehungskraft und ritualisierter Selbstvergessenheit ist DER DANCEFLOOR von Wochenende zu Wochenende wieder Fluchtpunkt, Heimat, Mutterleib für Horden, Herden und Rudel von Nachtschwärmern, Feiernasen und, auch, - touristen, die sich am ewigen, zum Takt der Nacht gewordenen Bumm-Bumm-Bumm der im Vierviertel schlagenden Bassdrum orientieren, in ihr in jeder Stadt der Welt auf's neue einen Wegweiser durch das Dunkel wechselnder Clubs finden und glückselig im gleichförmigen Puls der DJ-Sets aufgehen. Doch was passiert eigentlich jenseits des Mainfloor ? Dort, wo der Tanzzwang nicht mit Nachdruck regiert und der Raum für Experimente offen steht? Dort, wo sich Kenner, Liebhaber und Experten die Klinke in die Hand geben, auf der Suche nach neuen Klängen, vielleicht ungehörten Strukturen und neuer, aufregender Musik? Wir haben uns umgesehen und sind fündig geworden.


Henry Rodrick
Don't Believe

 

Studio Barnhus / WordandSound
6. Januar 2014

 

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Footwork aus Schweden, genauer gesagt aus Gullmarsplan in Stockholm. Wenn Jemandem das spanisch vorkommt, hat er seine Rechnung ohne Henry Rodrick und seine Svensk Bas Crew und vor allem ohne die Wahnsinnigen aus dem Studio Barnhus gemacht, die diese sechs natürlich sehr eigenen, partiell schwer kitschbeladenen und vor allem bis ins Maximum überdrehten Juke- und Highspeed R'n'B-Entwürfe hier auf 12“ bannen und damit die vor allem in und um Chicago beheimatete Szenefamilie um ein verspult-europäisches Mitglied erweitern, dessen Ohren zweifelsohne eher an Skweee denn an Jungle geschult sind. Verrückter Kram. Macht 8/10 Punkte.



Vtgnike
Dubna

 

Other People / Rough Trade
21. Februar 2014

 

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Nachdem wir uns schon mehrfach der clubtauglichen Variante elektronischer Musik aus dem ehemaligen Ostblock gewidmet haben, findet nun der aus Russland stammende, von Anonymität umwitterte Produzent Vtgnike bei uns Gehör, dessen eher experimentelles und Elektronica-lastiges Album "Dubna" am 17. Februar über Nicolas Jaar's neues Label Other People als CD und LP veröffentlicht wird. Geprägt von vorwiegend nebelschwangeren, leicht herbstlich wirkenden Atmosphären begeben sich die neun Tracks des Longplayers auf eine Reise zwischen Ambient, rohen, unbearbeiteten Beatabstraktionen, rudimentärem TripHop, mit afrikanischen Elementen durchwebten Echos von - wieder ! - Juke / Footwork,  Subbass-lastigem PostJungle und weiteren Verweisen auf die lange Geschichte elektronischer Hörmusik, die in ihrer weitgehend minimalistischen und melodiefreien Herangehensweise sicherlich eine eher am musikalischen Experiment geschulte Hörerschaft anspricht als den auf reine Ambienz geprägten Gelegenheitskonsumenten. Doch der – wenn auch zuweilen etwas drögen – Qualität der Einzeltracks tut dieser Ansatz keinen Abbruch. Insgesamt 7/10 Punkte.

Foto: earlysummer

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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