Kalif anstelle der Kalifen? – „#2“ von Thees Uhlmann

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Thees Uhlmann ist der Mann, dessen Musik die Welt erst hören wollte, nachdem er sich als Tocotronic-Tourtagebuchschreiber, Grand-Hotel-Van-Cleef-Label-Mitgründer und Jürgen-Vogel-Backing-Band-Statist öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt hatte. Auch wenn diese – kann man das sagen? – Verdienste, schon Jahre zurückliegen, glaubt Uhlmann weiterhin, Tonträger, wie sein aktuelles zweites Album "#2", veröffentlichen zu müssen.

Thees Uhlmann
#2
Grand Hotel Van Cleef / Indigo
30. August 2013
2 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Ganz abgesehen davon, dass längst nicht alles schlecht ist, wo Thees draufsteht – die Produktion (insbesondere Schlagwerk und Bass) ist ausgereift, der Feuerzeug– bzw. Leuchthandy-Hochhalte-Faktor ist hoch ( "Der Fluss und das Meer" & "Kaffee & Wein") und das Tracklisting ist orthographisch vollkommen korrekt. Auch lässt Uhlmann an der Authentizität seiner Mission keine Zweifel: er lebt für das Muckertum, er steht und fällt mit dem Rock’n’Roll als Lebensinhalt.

Und genau das ist das Problematische an Uhlmann als Interpret seiner eigenen, nebulösen Sehnsüchte. Musik ist noch immer erst Klanggeschehen, und kann erst im nächsten Schritt Mittel zum Lifestyle-Zweck werden. Die "richtige" Lederjacke, eine Gitarre um den Hals und die Pommesgabel in Richtung Publikum – alles Posen, die erst dann Sinn ergeben, wenn das Klanggeschehen als Fundament taugt. Das bedeutet nicht, man müsse singen können wie Al Jarreau. Aber eine Stimme sollte man schon haben, und nicht nur Texte rezitieren, die man selber ganz große Klasse findet. Von Musik, die klingt wie alles mögliche andere, nur nicht nach sich selbst, gar nicht erst zu reden.

Schlimmer als der Vorgänger noch krankt Thees Uhlmanns "#2" an einem Phänomen, das sich am besten als "Lost in Fancynation" beschreiben lässt. Uhlmanns Fähigkeiten als begeisterter Fan und Hörer überlagern alles andere. Seine Musik strotzt nur so vor äußeren und gut nachweisbaren Einflüssen, sie ist gespickt mit allerlei Referenzen und Hinweisen auf private Hör-Gewohnheiten. Allein sein Profil als Autor und Komponist bleibt unscharf. Aber dafür gibt es ja glücklicherweise Woodkid-Percussion, mollige Power-Pop Klavierakkorde à la Ben Folds und ordentlich schunkelnden Shuffle-Rhythmen zwischen Bruce Springsteen und Modest Mouse. Nicht zu vergessen diese "Wißt–Ihr-Das-Eigentlich-Auch-Noch-Alle"-Texte im Stile von "Am 7. März". Frei nach dem Motto: Mit der richtigen Schnittmenge aus Reisers "König von Deutschland" und Joels "We Didn’t Start The Fire" ist der nächste Mitgröhl-Hit ein Klacks, arbeitet sich der Mann, der auf seinen Tonträgerverpackungen am liebsten sich selber sieht, an Dingen ab, die weniger persönlich als vielmehr vermittelbar zu sein haben. Alles kein Beinbruch – um Gottes Willen – auch Mario Barth ist damit erfolgreich. Aber gut sind andere Dinge. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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