Käme Kunst von Wollen – „Piano Ombre“ von Francois & The Atlas Mountains

F&AM 72 DPI. credit Mathieu Demy

Der Englishman in New York ist in aller Munde. Der Frenchman aus Bristol noch lange nicht. Mit "Piano Ombre", dem vierten Album der von Frenchman Francois Marry angeführten menschlichen Ärmelkanalbrücke Francois & The Atlas Mountains, könnte sich das ändern.

Francois & The Atlas Mountains
Piano Ombre
Domino Records / Good To Go
14. März 2014
5 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Oder auch nicht: Denn die schon im Namen sich zu Gehör bringende, allumfassende Weitläufigkeit des in Südengland beheimateten Franzosen, der seine Band nach einem maghrebianischen Gebirgszug benennt, auf Englisch (nicht ganz so gut) und Französisch (immerhin akzentfrei) singt und dessen Label den genretechnischen Relevanz-Bereich als von Britpop bis Afro-Beat reichend beschreibt, eignet sich vortrefflich, um am eigenen Anspruch zu scheitern.

Dabei ging alles so gut los. Ende 2013 wurde die Single "La Vérité" als Appetizer, pardon: amuse gueule, veröffentlicht. Das gut gelaunte und groovige Drei-Minuten-Stück Mitsing-Pop überzeugte nicht nur mit einem grandiosen Video. Sondern vor allem durch die eben nicht nur auf die franzöischen Charts zugeschnittene – nennen wir es – Internationalität des Klangstandards. Von den insgesamt zehn auf "Piano Ombre" enthaltenen Songs, ist "La Vèrité" noch immer der gelungenste. Mit großem Abstand.

Eröffnet wird das Album von dem beschwörerisch klingenden Musik-Monolog "Bois". In dem rhythmisch betrachtet äußerst ereignisreichem Stück mischen sich jazzige Bläsersätze, Elektronik-Gefiepe und ein ebenso überpräsenter wie stoischer Beat mit dem Sprechgesang Marrys. "La Fille Aux Cheveux De Soie" wiederum ist ein postmoderner Chanson, der mit Benjamin Biolay sehr viel mehr am Chapeau hat als mit Blur. Und trotzdem unangenehm wirkungslos bleibt. Gleiches lässt sich von "Réveil Inconnu" behaupten, wenn man Benjamin Biolay durch Air ersetzt. Sowohl "Fancy Foresight" als auch "Summer of a Heart", neben "The Way To the Forest" die einzigen englisch-sprachigen Kompositionen, teilen das gleiche Leiden: Marrys unüberhörbaren französischen Akzent. Die einzige, die das darf, ist Miss Kittin - wenn sie "Frank Sinatra is dead" singt.

Von der schon gefeierten Single abgesehen, bleibt nur noch der Titeltrack "Piano Ombre" als außergewöhnlich in Erinnerung. In ihm rührt Marry die besten Zutaten des French-Pop (Gainsbourg-Lyrik, Goldman-Tristesse und Phoenix-Weltmännischkeit) zu einem äußerst appetitlichen Klangbrei zusammen. Ca marche bien.  

Foto:  Mathieu Demy

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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