Kann keiner besser – Mount Kimbies „Cold Spring Fault Less Youth“

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Die beiden Kellerkinder mit den Schlafzimmer-Produzenten-Augen haben es schon wieder getan: auch die Gestaltung ihres mittlerweile zweiten Albums setzt Maßstäbe. War "Crooks & Lovers" covertechnisch (und auch im Wortsinn) gegenständlich, hätte "Cold Spring Fault Less Youth" kaum abstrakter ausfallen können. Ob das auch für die Musik gilt?

Mount Kimbie
Cold Spring Fault Less Youth
Warp / Rough Trade
24. Mai 2013
10 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Um eines vorwegzunehmen: Abstrakter – im Sinne von formloser, unbestimmter, allgemeiner - sind Mount Kimbie nicht geworden. Das Gegenteil ist der Fall. Taten sich Mount Kimbie mit einer genre-technischen Positionierung auf "Crooks & Lovers" noch schwer, fällt die Standort-Bestimmung auf "Cold Spring Fault Less Youth" sehr viel eindeutiger aus. Dub-Step und Bassmusik haben Dominic Maker und Kai Campos weit hinter sich gelassen. Stattdessen haben sich die beiden der IDM-Schnittstelle zwischen warmen Analog-Klängen und präzisen Elektro-Sounds verschrieben. Und zwar voll und ganz.

Dass ihnen ihre Instrumental-Kenntnisse dabei zu gute kommen würden, dürften sie als erste vermutet haben. Dass diese Entscheidung weder Rave-Hymnen noch Pop-Refrains zeitigt, sondern die Kaum-Greifbarkeit (aka Abstraktions-Level) der Mount Kimbie Sounds nur noch potenziert, aber ist - gelinde ausgedrückt – ziemlich mutig. Song-Strukturen, die sich auch nur ansatzweise typisieren ließen, sucht man auf "Cold Spring Fault Less Youth" vergeblich. Und so sieht sich nicht nur der Rezensent vor das Problem gestellt, wie man einen Track à la "Break Well" denn nun einordnen, vergleichen und bewerten soll? Von den anderen elf Songs ganz zu schweigen ...

Mag sein, dass genau das die Krux ist, die auch Maker und Campos bei der Fertigstellung im Auge hatten: Die Tatsache, dass "Cold Spring Fault Less Youth" sich mount-kimbie-typischer denn je anhört, und damit sowohl eingängiger als auch abseitiger klingt, ist nämlich über die Maßen verwirrend. Begegnen kann man dieser Verwirrung nur, indem man sich Mount Kimbies neuestem Werk aussetzt, es sich antut. Und dann besteht immerhin die Chance, eines der besten Alben des Jahres 2013 nicht verpasst zu haben...

Foto: Chris Rhodes

 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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