Kapitän Nuschelpeter – „The Bay“ von Me And Oceans

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Me And Oceans ist das Zufallsprodukt eines ursprünglich einmalig geplanten Konzertabends, in dessen Anschluss Komponist und Sänger Fabian Schuetze mit dem für eben jenes Konzert engagierte Kammerensemble Mistral fusionierte. Das von der Ein-Mann-Band zum Sextett mutierte Kollektiv veröffentlicht mit "The Bay" nun das erste Album der neuformierten musikalischen Großfamilie.

Me And Oceans
The Bay
Analogsoul / Kick the Flame / Broken Silence
02. August 2013
5 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Wenn sich Musiker dazu entscheiden, es ihren Hörern nicht möglichst einfach zu machen, muss das nicht immer schlecht sein. In einem ganz positiven Sinne könnten sich die Hörer herausgefordert fühlen; dafür dankbar sein, dass der Produzent sie nicht für dumm verkauft und Konsumenten auf Augenhöhe bevorzugt. In Fabian Schuetzes Fall, dessen multi-kulturell interessiertem Kopf das Projekt Me And Oceans quasi als Geburt entsprang, ist das leider anders.

"The Bay" - das erste Album, aber die mittlerweile dritte Veröffentlichung unter dem Namen Me And Oceans - versammelt bis auf eine einzige Ausnahme die auf den Vorgänger-EPs enthaltenen Stücke in neu versionierten Einspielungen. Und ja, der Unterschied lässt sich kaum überhören. Die "monatelange Arbeit", von der auf der Crowdfunding-Plattform VisionBakery im Finanzierungsaufruf zu lesen war, allerdings hört man nicht. Denn die im Schlafzimmerproduzenten-Modus entstandenen Songs Schuetzes sind in ihrer Grundstruktur so gut wie komplett erhalten geblieben. Zu den Klang-Schnipseln, Computer-Rhythmen und anderen elektronischen Neckereien gesellen sich nun eben Streichquartett und Klavier.

Durchaus möglich, dass sich dem ein oder anderen Ohr der Eindruck aufdrängt, dadurch würde die Musik organischer, unter Umständen sogar wertiger. Im Ohr des Rezensenten allerdings blieb vor allem eines hängen: Ein ganz offensichtlich Nichtenglischer-Muttersprachler, der sich schwer bis gar nicht verständlich durch seine (was denn sonst?!) englischsprachigen Texte nuschelt, und dabei klingt, als käme er gerade von einem Method-Acting-Workshop, in dem Tom Waits und Dean Martin in einer Person dargestellt werden mussten.

Das Traurige an den traurig-schönen Songs ist, dass man sie nicht versteht; dass sie im Pathos der Ich-bin-ein-einsame-Seebären-Künstler-Attitüde ertrinken; dass Schuetze letztendlich ein musikalisches Klischee bedient. Schade, weil die Me And Oceans Songs weder mit Witz noch Wonne geizen, und Schuetzes Organ etwas einmalig Natürlich-Ergreifendes hat. Wie gut das zusammengehen kann, entpuppt sich ausgerechnet bei dem wahrscheinlich unmöglichsten Song-Kandidaten auf dem Album "Polonaise Blankenese".  Der Subtext, der in dieser großartig gelungenen Cover-Version dunkel-düster mitschwebt, und – wie man sieht – es sogar bis ins Video geschafft hat, steht Schuetze und Band tausendmal besser als die verzweifelte Betroffenheitsgeste à la Antony and The Johnsons. Und wenn schon ein Track wie "The Bay" – warum dann so rhythmisch unentschieden zwischen Shuffle und doch gerade? Vielleicht hilft ja das nächste Me And Oceans Album bei der Beantwortung dieser Fragen ...

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