Kauz-Rock – „Andere Leude My Ass“ von Grillmaster Flash

grillmaster

Comedy und Musik – dieser Grat ist mitunter schmaler als die Hüften der Strichmännchen von Karl Lagerfeld. Und weil das so ist, darf man sich nicht wundern, wenn die eine oder der andere wahlweise links oder rechts davon Richtung Abgrund segeln. Grillmaster Flash vollbringt das Wunder, mit "Andere Leude My Ass" gleichzeitig zu beiden Seiten dieses Grates in die Tiefe zu stürzen.

Grillmaster Flash
Andere Leude My Ass
Speck Flag / Broken Silence
26. Juni 2017
3 / 10
Erhältlich bei Amazon | Amazon | JPC

Sicher – diese Einschätzung hebt ihn zunächst ab von den (nur) einseitigen Abstürzlern: Also Gebrüder Blattschuss, Mike Krüger und Diether "Ich bin der Martin, ne" Krebs auf der einen und Tenacious D, Steel Panther und Weird Al Yankovic auf der anderen Seite.  Im popmusikalischen Sonne überzeugender wird "Andere Leude My Ass" dadurch nicht. Leider.

Dabei stimmt doch mit den Kompositionen, mit der Güte der Aufnahme, ja sogar mit der Albums-Gestaltungs-Appropriation (Springsteen lässt grüßen) eigentlich alles bzw. ziemlich viel. Das ist kein Garagen-Schrammel-Mist, der irgendwelchen Low-Fi-Götzen huldigt. Das ist amtlicher, vor allem Südstaaten geprägter Rock’n’Blues, zwischen Stoppok, Bretterbauer und Drive-by Truckers. Die Scheiße muss den Ventilator also an anderer Stelle treffen.

Zum Beispiel dort, wo es um Grillmasters Vokal-Vermögen geht: Röhren kann er. Und gar nicht mal so schlecht. Nur das mit dem Singen ist halt so eine Sache - darf man die One-Note-Samba als bekannt voraussetzen? -  Noch eklatanter sind nur die Texte. Der Ü-30jährige Grillmaster Flash schreibt Texte für Early-Teens mit einem Vokabular für die Grundschule. Kurz: Blitzsauberer Kika-Rock mit der Lizenz zum Reime-Töten: "Flasche auf Tasche", "Mut" auf "Gut" , "Heimspiel" auf "Eisstiel" .  Und zu welcher Gelegenheit, bitteschön, wird Sex heutzutage noch als "mit jemandem pennen" umschrieben?

Um dieses sehr verwirrte Kind beim Namen zu nennen: Grillmaster Flash ist zu alt für die Musik, die er macht. Und sein gefühltes Zielpublikum zu jung für die Texte voller selbstkasteiender Looser-Beichten. Darüber hinaus fehlt dem Album wegen der Absenz jeglichen romantischen Tiefgangs (vulgo: Balladen) der für amtlichen Rock’n’Roll so essentielle emotionale Tiefgang. Oder anders: Viel zu viel gute Laune. Von der Anti-Heimat-Hymne "28779", die er dem Bremer Stadtteil Blumenthal nicht-widmet, einmal abgesehen. Bitte nicht mehr so ein Kauz-Rock!

Foto: Fabian Lange

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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