Klangteppichverleger – „Apto Machinam“ von Shaban

Shaban 04

Kein Latein gehabt zu haben, zahlt sich manchmal eben doch nicht aus. Und weil Shaban seine Solo-Scheibe nicht Irgendwas-Mit-Ergo-Sum, sondern "Apto Machinam" genannt hat, darf der geneigte Leser hier alles Mögliche erwarten. Nur keine korrekte Übersetzung,

Shaban
Apto Machinam
Kreismusik / Soulfood
25. April 2014
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Shaban ist der Bruder von Käptn Peng, dessen Tentakel von Delphi zu Recht als lyrische Entsprechung zu den verschädelten Kopfnicker-Beats auf "Apto Machinam" durchgehen. Kreismusik, das Label, auf dem Werke von beiden erscheinen, fungiert sozusagen als Family Business. Zu den künstlerisch-kreativen Anlagen des im ganzen Land bekannten Clans soll es das aber im Großen und Ganzen gewesen sein. Konzentrieren wir uns auf das Klanguniversum Shabans.

Als Theater-Musiker dürfte ihm das Konzept vom Sound als Teil des Bühnenbilds nicht neu sein. In der Tat ist seine Erfahrung als Klangsausstatter kaum zu überhören. Shaban geht es in eigentlich keinem einzigen Song um das, was gerne als Songstruktur, Aufbau oder Dramaturgie bezeichnet wird. Nicht, weil "Apto Machinam" ein komplett instrumentelles Album ist. Und auch nicht, weil er Spaß am Dagegen-Sein hätte. Motivationaler Ausgangspunkt für jede einzelne der insgesamt 11 Geräusch-Collagen hingegen ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein jeweils ganz bestimmter, dezidierter Höreindruck gewesen sein, um den herum Shaban Klangschicht und Klangschicht gewickelt hat, bis er davon ausgehen konnte, die Sound-Zwiebel sei warm genug angezogen.

Nicht immer ist es Außenstehenden - wie der Autor einer ist - vergönnt, diesen einen Sound zu identifizieren, wie beispielsweise in "Ungleichungen", das zweifelsohne auf den Dialog-Schnipsel aus "Die Legende von Paul und Paula" zurückzuführen ist. Oder auch bei dem etwas weniger kryptisch betitelten "Ich und R", bei dem Shaban ein paar wuchtige Akkorde aus Rachmaninows Cis-Moll Präludium zum Ausgangspunkt macht – und dabei einen unbewußten Shout-Out an Charles Mingus loslässt, das sich mit seinem "All The Things You C-Sharp" als erster am Werk des Russen mit den Riesenhänden vergriff.

So verlockend vielfältig und interessant klingend der Eindruck insgesamt auch ist – pures Vergnügen ist "Apto Machinam" weiß Gott nicht. Als hätte Aphex Twins Alter Ego sich nicht zwischen Warp und Ninja Tune entscheiden können. Als handele es sich hier um die "Black Rider"-Basement Tapes von Tom Waits. Selbst die vermeintlich eingängigeren Teile des Albums, wie zum Beispiel "Gwynplaine", fordern Hörern so einiges ab. Das liegt zum einen daran, dass durch ihre wie willkürliche Zufälligkeit die Klangereignisse selber nur schwer in Erinnerung bleiben. Zum anderen helfen unzählbare Taktmaße, die Shaban um ihrer selbst willen so platziert hat, auch nicht wirklich weiter. Klangavantgarde halt. Und auf einer Live-, möglicherweise sogar Theater-Bühne vielleicht besser aufgehoben als in einem CD-Player. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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