Klangvolle Beziehungskiste – „Only Friend EP“ von Cub Sport

2015 Press Shot 6 by Nat Lanyon

Vier Freunde, fünf Tracks, eine EP, ein einziger Freund, sieben Punkte. So kann man diese klangvolle Beziehungskiste mathematisch kurz zusammenfassen. Aber auch musikalisch sollte man über die 5-Track-EP "Only Friend" von dem australischen Quartett Cub Sport sprechen. Was hiermit getan wird. 

Cub Sport
Only Friend
Nettwerk
06. November 2015
7 / 10
Erhältlich bei iTunes | Amazon

Was vom Titel her irgendwie ein bisschen traurig klingt, geht eigentlich auch genauso los. "It Kills Me" hat nicht nur einen sehr melancholischen Namen, der EP-Opener bringt auch die gewisse Wehleidigkeit mit sich. Aber: "It Kills Me" ist kein Song, der dazu einlädt, sich aufgrund von Liebeskummer im Selbstmitleid zu suhlen. Vielmehr gibt es hier einen Synthie-Pop-Song, der nach verwischter Wimperntusche klingt – genau, nach sexy Traurigkeit also. Einmal heulen und weiter geht's. Und genauso, wie man dann meistens doch ein paar Tage am Stück leidet, genauso bleibt auch dieser Song mindestens ein paar Tage im Kopf – Ohrwurmpotential! Und weil ja nicht nur Liebesbeziehungen schwierige Beziehungen sind, geht es mit "Only Friend" auch gleich weiter. Der Track kommt elektronischer daher und erinnert ein bisschen an Kavinsky's "Nightcall" in schneller, aber genauso düster. Es bleibt melancholisch, schwierig – "Have you ever thought of walking away / Cause I've been thinking about it everyday"… Schön! Schön, wenn man wenigstens einen Freund an seiner Seite hat.

Auf "Simmer" klingt Sänger Tim Nelson genauso niedergeschlagen wie auf den Songs davor, aber dank der tropisch-angehauchten Melodie, scheint sich die Stimmung leicht zu verbessern. Schließlich wurde auch "love on the west coast" gefunden. Es geht also wieder um Beziehungen, möglicherweise um eine Fernbeziehung, wo doch eigentlich alles so schön sein könnte. Hätte, würde, könnte... An diese positive Melancholie schließt auch der vorletzte Track "Stay" an, der Xylophon-ähnliche Klänge vorweist, die den sonst so marschierenden Beat auflockern. Gelungen. Beim letzten Track "Space" muss dann aber doch noch das Kritikkistchen geöffnet werden: hatte der Gesang bei den Stücken zuvor einen wehleidigen, aber rauen Sexappeal, wird bei "Space" der Text nur noch gehaucht. Wieso? Weil sich der Song irgendwo im Weltraum auflöst? Mit all den Beziehungsdramen? Naja, den Song kann man sich aber dennoch anhören. 

So, wie die ganze EP, die zwar eine emotionsgeladene Beziehungskiste ist, aber damit und vor allem mit dem besonderen Indie-Synthie-Sound besticht. Anfang nächsten Jahres folgt dann endlich das erste Album der Band. Mal schauen, welche Beziehungen nicht dann alle noch besungen werden. 

Foto: Nat Lanyon

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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