Kleine Jungs ganz groß – „Soon“ von Malky

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Da jeder Musiker weiß, dass ein Künstlername karriereweisend sein kann, haben sich Sänger Daniel Stoyanov und Keyboarder und Produzent Michael Vajna für ihr bulgarisch-ungarisches, in Leipzig ansässiges Duo selbstverständlich auch Gedanken um ihren Künstlernamen gemacht. Am Ende entschieden sie sich für Malky, ein Wort aus dem Bulgarischen, das so viel wie "kleiner Junge" bedeutet. Aber mit kleine-Jungs-Musik haben wir es auf dem Debütalbum "Soon" definitiv nicht zu tun, so viel sei vorab gesagt.

Malky
Soon
Eighty Days
27. Juni 2017
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Aber fangen wir vorne an:
Daniel und Michael lernen sich in Mannheim kennen, schreiben Songs für verschiedene Pop-Größen. Diese Fließband-Produktion von Chart-Hits stellt irgendwann nicht mehr zufrieden, die beiden ziehen zusammen nach Leipzig, verlassen ihre comfort-zone, wagen einen Neuanfang, versuchen ihren ganz persönlichen Sound zu finden, gründen ihr eigenes Label Eighty Days.
Klingt ziemlich erwachsen. Wie auch ihr Sound. Der nämlich bewegt sich zwischen den 60er Jahren und dem Hier und Jetzt. Zwischen Rhythm'n'Blues und Elektronik, zwischen Soul und Pop.

Los geht es auf "Soon" mit dem gleichnamigen Song und einem Piano. Und genau an diesem sind die elf Stücke im Leipziger Studio auch entstanden. Back to the roots also. Dazu Daniels eindringliche, kraftvolle Stimme, die vor allem von Liebe und deren Vergänglich- und Ungerechtigkeit erzählt und das gerne auch mal mehr als fünf Minuten lang. Eine ungewöhnliche, nicht aber übertriebende Track-Länge.
Weiter geht’s mit der Nummer, die Fäuste-schwingende-Sportler zu ihrer Einlauf-Hymne machen sollten. "Showdown" klingt nach den 80er Jahren, ist eine Ansage, pusht, überzeugt.
Die soulige Ballade "Diamonds" mit ihren Ton-Einspieler, die klingen, als würde ein surrender LKW an der grünen Ampel anfahren, zeigt, wie andersartig das Duo für gewöhnlich unterwegs ist. Der Song-Titel steht im Großen und Ganzen repräsentativ für das gesamte Album – es strahlt, ist verlockend, professionell geschliffen, mit seichten Ecken und Kanten.

Als wären eine Piano-lastige Nummer, auf die eine Boxkampf-Einlauf-Hymne folgt, und an die sich eine soulige Ballade anschließt nicht schon genug Abwechslung, trifft danach der Kinderchor von Jay-Z's "Hard Knock Life" in "History Of Broken Hearts" auf Grammophon-Knistern und Daniels in Liebeskummer-suhlende Charakter-Stimme – und diese ungewöhnliche Kombination macht sich verdammt gut. Und weiter geht die Experimentierfreude: Soul-Pop zwischen Jesper Munk, Marvin Gaye und Andeutungen von Jamie Woon trifft auf Bläser, auf gewaltige Bass-Sounds und hohe Geigen, auf harte Gitarrenriffs und weiche Akustik-Gitarrenklänge. Und diese Zusammentreffen gibt es durchgängig auf dem gesamten Album zu bewundern und zu belauschen. So auch im letzten Drittel, wenn die Retro-Soul-Nummer "Babylon Tree" von Sound-Effekten durchbrochen wird, mit denen man so nicht gerechnet hätte, und "The Upper Room" das große und überraschende Ende bildet, da sie sich final noch zur wahrscheinlich poppigsten Nummer auf dem Album entwickelt.

So herzergreifend-melancholisch die meisten Songs zwar sind, am Ende bleibt ein Glücksgefühl, dieses Album angehört zu haben. Man fühlt sich von der Musik umarmt und von einer Aura umgeben, die man im Alltag so nicht oft zu spüren bekommt. "Soon" wird alles besser. 

Foto: Max Parovsky

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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