Kleines Kino – „Innerworld“ von Electric Youth

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Chad Valley, Anoraak, Javelin, Tesla Boy, Chromatics und selbstverständlich auch die lieben Landsmänner von DVAS. Mit der Veröffentlichung ihres Debüt-Albums "Innerworld" dürfen sich auch Electric Youth an der Speerspitze der State-Of-The-Art-Synthie-Pop wähnen.

Electric Youth
Innerworld
Secretly Canadian / Cargo Records
26. September 2014
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Dabei gehören Bronwyn Griffin und Austin Garrick seit spätestens 2011 zu den – man sagt heute – Household-Names. Ihr Beitrag zu Nicolas Winding Refns Auto-Kino "Drive" brachte ihnen diverse Top Ten Platzierungen auf der ganzen Welt ein. Kein Wunder, dass die Kooperation mit David Grellier aka College – "A Real Hero" – sich jetzt auch auf "Innerworld" wiederfindet.

Wie schwierig es mitunter sein kann, die Formel einer erfolgreichen Single auf ein ganzes Album zu übertragen, dürften Griffin und Garrick während der letzten drei Jahre am eigenen Leib erlebt haben. Dass sich die beiden dafür ausgerechnet die Synthie-Pop-Nische ausgesucht haben – die in den spätern 1980er schon einmal ausgestorben war – macht es nicht gerade leichter. Im Gegenteil: Die Album-Herausforderung wird durch die Beschränkung auf die möglichst perfekte Annäherung eines sehr speziellen Klangvorbildes nur noch erschwert. Dabei geht es weniger um die Klangquellen – es gibt wohl keinen Sound, der nicht vom ein oder anderen Plug-In jetztzeitiger Audio-Software emuliert werden könnte. (Dass Austin Garrick auf seine Analog-Synthie-Sammlung dennoch stolz ist, wie Bolle, geht trotzdem klar). Das Wunder, das es zu vollbringen gilt, hat mit mehr oder minder vorgefertigten Dance-Beats, einem sehr begrenzten Arsenal an zur Verfügung stehender Synthie-Sounds und der generellen Absenz kreativer Mitmusiker zu tun.

Im Ergebnis haben es alle Songs außer den gefühlt ersten vier unheimlich schwer, auf irgendeine Weise in der Hörerinnerung verhaftet zu bleiben. Noch nicht einmal in einem negativen Sinne: Dazu sind die Kompositionen Garricks diesen einen Tick zu stromlinienförmig; und das produktionstechnisch enorm weichgespülte Organ Griffins durch den hohen Atemluft-Anteil zu austauschbar. Unter diesem Manko haben "If All She Has Is You" und "The Best Thing" – also Songs, in denen Rhythmik keine ganz so prominente Rolle spielt – ganz besonders zu leiden. Gar nicht erst zu reden von den Eurodance-Stampfern, die sich als Goodie auf der Deluxe-Variante des Albums finden. Auf der anderen Seite – wenn einem vor diesem Hintergrund etwas gelingt wie "Runaway" oder "WeAreTheYouth" – dann bleiben kaum Fragen offen.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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