Komm, wir gehen singen – „Auf Die Welt“ von Wolfgang Müller

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Über zwei Jahre ist es her, dass Wolfgang Müller mit "Über die Unruhe" einschlug wie eine Gerd Müller Bombe. Jetzt ist das selbsternannte Winterkind mit Tiefschnee im Gemüt mit seinem inzwischen fünften Album zurück. "Auf Die Welt" getauft, präsentiert es Müller erstmalig genauso wie er wollte – ohne ängstliche Kompromisse. Das zumindest sagt der Interpret selber.

Wolfgang Müller
Auf Die Welt
Fressmann / Indigo
17. April 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Fressmann
 

Wie Müller zu dieser Einschätzung kommt? – Um das Pferd von hinten aufzuzäumen: An der Text-Arbeit kann es nicht liegen. Müllers Beobachtungsgabe ist ungetrübt, ebenso sein lyrischer Charme: "Hier kommt freier Wille, gefolgt von Konsequenz, ist nur ein Schatten seiner selbst und dem, was Du Konsequenz nennst."  Und sein reduzierter, um nicht zu sagen verkifft-wirkender Vortrag, steht den selten wahnwitzigen aber stets überraschenden Zeilen ganz hervorragend. So auch bei einem der überzeugendsten Songs des gesamten Albums, "Später gern": Ob eigene oder Patchwork-Kinder – ihr Wunsch mit Wolfgang Müller kicken zu gehen wird wieder und wieder aufgeschoben, weil immer noch kurz was zu Ende komponiert werden muss. In dem einen Moment, in dem es dann doch passt, hört der Song mit den Worten "Augenblick, ich hol' den Ball" auf.

Wobei – angesichts von "Goldfisch" besteht eigentlich kein Zweifel darüber, dass Wolfgang Müller inzwischen selber Eltern ist. Ist "Auf Die Welt" also Müllers kompromissloseste Album, weil er auf einmal erziehungsberechtigt "Auf die Welt" schaut? – Mitnichten. Was Müller als "wie ich mir meine Musik vorstelle" beschreibt, hat konsequenterweise ausschließlich mit klanglichen Aspekten zu tun, bzw. mit solchen, die auf diesem Album nicht stattfinden. Bass? – Njet. Schlagzeug? – Auch nicht. Überhaupt: Die Backingband im klassischen Sinne fehlt.

Stattdessen setzt Müller auf die liedermacherische Essenz: Gitarre, Klavier und Stimmen. Plus Gäste. Dass "Auf Die Welt" dennoch nicht wie ein fettreduziertes, irgendwie weight-watchigeres FDH-Produkt wirkt, hat dann auch damit zu tun, dass Müller die wenigen Klangquellen so effizient einsetzt wie nie zuvor: Die Chöre bei "Auf dem Weg zu einem Mord", das geniale Gitarren-Lick für "Im Verhältnis", das kammblasige Saxophon auf "Später gern" und das gegen Ende doch ganz schön pathetische "Neongrün".

Was gar nicht geht? – Ein Album mit neun Songs und einer Gesamtspieldauer von ca. 30 Minuten aufnehmen. Ansonsten: Gelungen!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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