Köpe- & Kopfnicker – „Jenseits von Köpenick“ von Romano

Romano17474-210115

Ob für Moritz Friedrich aka Siriusmo mit dem Projekt Romano ein Traum in Erfüllung gegangen ist? – 15 Jahre ist’s her, dass er mit seiner noch immer funktionierenden "Ne Me Quitte Pas" Maxi auf den Dancefloors, die die Welt bedeuten, als digitaler Discoteer reüssierte. Jetzt ist er das musikalische Brain hinter dem Debüt des gebürtigen und Wahl-Köpenickers Romano "Jenseits von Köpenick".

Romano
Jenseits von Köpenick
Virgin / Universal Music
11. September 2015
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Köpe- oder Kopfnicker? Für Romano keine Angelegenheit von  ent oder weder. Überhaupt: Was bei dem Mann mit den zwei Zöpfen alles unter eine seiner geliebten Jogginghosen passt, ist phänomenal. Rap, Rock, Pop und Disco-Schlager. Fiese Synthie-Flächen, derbe Elektro-Drums und Subbässe bis nach Bagdad. Lokal-Patriotismus, SWSX-Erfahrung und internationale Ambitionen. Authentische Killer-Tracks und kompromiss-gebeutelte Lückenfüller.

Weil ein Strauß kaum bunter sein könnte, knöpfen wir uns zunächst die schönsten Blüten vor. Die drei vorab veröffentlichten Video-Single einmal ausgenommen: An "Metalkutte", "Brenn Die Bank ab" und "Klaps auf den Po" gebt es weder klanglich, noch bezüglich der visuellen Umsetzung etwas zu beanstanden. Das Gegenteil trifft zu: Alle drei Nummern leben von der mehr als gelungenen Gegenüberstellung von Romanos Rap-Dilettantismus auf der einen und den endgeil produzierten Amtlich-Überdreht-Beats aus der Friedrich Feder. Ob man das nun Trap-Step oder Bass-Sick nennt, ist am Ende egal – klangorientierungstechnisch fallen einem Major Lazer ("Bubble But"), Baauer ("One Touch") und Hudson Mohawke ("Scud Books") ein. Im Großen und Ganzen gilt das auch für die restlichen zehn Tracks auf "Jenseits von Köpenick".

Insbesondere auch für den Opener "Köpenick", der – warum auch immer – den Autoren an "California Love" erinnert.  Und dessen slousiger 4-2-The-Floor-Rhythmus den heimatverliebten Zeilen Romanos ganz hervorragend schmeicheln (genauso wie bei "Strasse") – außerdem: Der "Köpenick"-Refrain ist der wohl mit Abstand beste Hook auf dem ganzen Album. Dass aber selbst ein Romano diesen Standard nicht über die Länge des gesamten Albums halten kann, machen mediokre Songs wie "Maskenball", "Heiss Heiss Baby" und "Marlboro Man" klar. "Romano & Julia" hätte es vermutlich auch auf das letzte Dagobert Album geschafft. Zum Ausgleich kann der Haarflecht-Spezi aber mit dem paranoiden "Stahlraum" sowie der Eros-Fantasie "Sex-Train" punkten. Und mit "Immun" setzt er unter sein Rap-Debüt einen mehr als würdigen Schlusspunkt.

Fazit: Starkes Album, mit dem sowohl Romano als auch Moritz Friedrich aus der nicht ganz freiwilligen obskuren Versenkung auftauchen. Nach 13 Tracks reicht es dann zwar auch erst einmal mit Romanos Schnodder-Rap, aber dafür hat man ein neues Ausflugsziel: Köpenick. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.