Kult kommt von Können – „Wildest Dreams“ von Wildest Dreams

WildestDreams_courtesySmalltownSupersound

Es grenzt ans Absurde: DJ Harvey, einer der einflussreichsten europäischen Importeur-Pioniere in Sachen amerikanische Tanzkultur der späten 1970er und essentiellen 1980er, veröffentlicht unter dem Namen Wildest Dreams psychadelischen West-Coast Groove-Rock der späten und vor allem drogengeschwängerten 1960er.

Wildest Dreams
Wildest Dreams
Smalltown Supersound / Rough Trade
01. August 2014
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Andererseits scheint es für den gelernten Schlagzeuger, berüchtigten Dance’n’Rock-DJ und Map of Africa-Gründer wie das Selbstverständlichste der Welt, sich zwischen Steppenwolf ("Last Ride"), den Doors ("Pleasure Swell"), Love ("405") sowie einer Armada von Space-Rock-Ikonen live und mit einer gut abgehangenen Band auszutoben. Und sich austoben ist genau das, woran Harvey und seine Groove-Genossen auf "Wildest Dreams" vor allem interessiert sind 

Anders als bei den Beatles und Beach Boys liegt die Priorität nicht auf ausgefallen Songstrukturen, anspruchsvollen Akkord-Progressionen und technischer Hyper-Präzision – trotz des vergleichsweise hohen Anteils an Jamsession ähnlichen, instrumentalen Parts und Songs (Texte sind dem Songwriter-Prinzipal Harvey in etwa so wichtig wie das Papier ums Geschenk – ohne kommt nicht so gut an). Konzentrieren tun sich die vier Musiker auf etwas, was mit rhythmisches Flow-Erlebnis wohl am ehesten beschrieben werden kann. Das Schöne daran ist, dass es Harvey und Band gelingt, dieses Gefühlserlebnis zu kommunizieren und ins Hörer-Innere zu transportieren ("Bosh" oder auch "Yes We Can"). Und zwar gerade weil das aseptisch Reine und die instrumentale Perfektion fehlen – vom spontanen Dreck und sympathischen Zufall aber ganz hervorragend, wenn nicht besser, vertreten werden. 

Von den insgesamt zehn auf "Wildest Dreams" enthaltenen Stücken gefällt "Gypsy Eyes" am wenigsten. Nicht, dass es (krass) aus der Rolle fiele. Es ist nur so, dass das Wörtchen "Gypsy" arg oft artikuliert wird. Und im Gegensatz zu den anderen neun machen die Instrumental-Phasen des Songs einen eher düdeligen, um nicht zu sagen nervigen Eindruck. Die Treffer-Quote des inzwischen auf Hawai residierenden Musik-Monsters Harvey beeindruckt dennoch: Einen Punkt für jeden gelungen Song!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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