Lads.Music.Rules – „Real Life“ von Real Lies

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Dass Real Lies Briten aus Nord-London sind, könnte man ihnen sowohl ansehen als auch anhören. Grundsätzlich ist das auch das Einzige, was das Debüt-Album "Real Life" des Trios mit anderen distinkt britischen bzw. englischen Acts gemein hat. Musikalisch fahren die drei Lads eine ganz eigene Schiene.

Real Lies
Real Life
Marathon Artists
16. Oktober 2015
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Verbindung - manche direkt, andere weniger - lassen sich trotzdem ausmachen. So ließe sich verargumentieren, der Doppelgesang auf "Deeper" sei von Jungle inspiriert. "One Club Town" wäre in Ansätzen auch als ein Werk Damon Albarns durchgegangen. Das herrliche "North Circular" ist eine großartige Synthese aus Pet Shop Boys Befindlichkeit und der Erst-Einmal-Runter-Kommen-After-Hour-Melancholie, die auch die ein oder andere The Streets-Produktion prägte (und ganz klar auch für "Blackmarket Blues" zu Besuch im Studio gewesen sein muss). Wer bei "Seven Sisters" nicht zugleich an die M-People und Right Said Fred, hat die Letztgenannten wohl nie gehört. Und "Gospel" hätte wohl auch problemlos als EMF B-Seite erscheinen können.

Die weitgehende Orientierung an Grooves, Rhythmen und anderen produktionstechnischen Blaupausen aus den frühen 1990er ist schon erstaunlich. Zumal davon ausgegangen werden kann, dass die drei Real Lies Mitglieder da noch nicht einmal als Projektplan existiert haben. Aber so läuft das nun einmal: Frag mal Jack White nach seinen Einflüssen.... Selbstredend verstehen sich Real Lies nicht als akustisches Kuriositäten-Kabinett, die Musik von früher so nachbauen wie Madame Tussauds Waxfiguren. Zumal der Produktions-Standard und das Klang-Design alles andere als nach damals klingen. Das machen wohl am ehesten die Tracks deutlich, an denen der Retro-Vorwurf abperlt wie Regenwasser an der Frontscheibe. Ihr heimlicher Breakthrough-Hit "Dab Housing" zum Beispiel, ein Pop-Dub-Reggae-Soul-Juwel der Extraklasse – obgleich einem auch hier die am Ende doch auch nicht ohne den orientierenden Blick nach hinten auskommenden Jungle in den Sinn kommen. So richtig ausschlagen aus der Real Lies Reihe tut eigentlich nur das auch entsprechend benannte "Sidetripping". 

"Real Life" von Real Lies ist ein überraschend kurzweiliges Vergnügen – und trotz der leicht lieblos wirkenden Cover-Gestaltung eine unbedingte Empfehlung.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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