Lasst es Euch schmecken – „Beaten Borders“ von The Rhythm Junks

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The Rhythm Junks? Beaten Borders? Was soll man denn nun darunter verstehen?
Auf der einen Seite genau das, was der Name aussagt: viel Rhythmus und Grenzen, die aufgebrochen werden. Auf der anderen Seite sollte man Teile des Namens nicht ganz so ernst nehmen. Denn als "Junk" kann man Album und Band mit Sicherheit nicht betiteln.

The Rhythm Junks
Beaten Borders
Gentle / popup-records / Cargo Records
18. Oktober 2013
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Beaten Borders, das mittlerweile dritte Album des aus Belgien stammenden Trios The Rhythm Junks, ist wohl vor allem etwas für besonders offene Musikliebhaber. Denn ein klares Genre auszumachen, erweist sich als schwierig. Tendenziell ist es wohl am ehesten etwas für Rock- und Blues-Fanatiker. Aber nicht mehr als eine Tendenz eben. Vergleiche mit anderen Bands dienen an dieser Stelle entsprechend auch nur einer groben Einordnung, denn eigentlich gilt es, diese Band einfach für sich selbst zu entdecken. Kristoffer And The Harbour Heads könnte man also in den Raum werfen. Vielleicht haben The Rhythm Junks auch ein wenig was von Ewert And The Two Dragons. Eine Hilfestellung bietet auch die eigene Charakterisierung der Band: Sie vergleicht sich mit Pickles. Pickles, diese sonderlichen Gemüsespieße, die nur aufgrund ihrer Zusammenstellung so interessant und mundend daher kommen. Jede Gemüsesorte für sich würde man vermutlich sonst eher meiden. Will heißen: die besondere Kombination der drei Bandmitglieder, das macht diese Unvergleichbarkeit und besondere Finesse aus.

Kommen wir nun aber endlich zur Musik, denn welche Band will schon, dass man nur über sie und nicht über die Musik redet? Als würde man nur über die Zutaten-Liste auf den Geschmack kommen... Apropos Geschmack: Der Opener des Albums "Offline Land" überzeugt auf Anhieb. Spätestens sobald die Drums einsetzen, geht das zufriedene Blues-Kopfgenicke los. Die mystischen Harmonien im Hintergrund geben das besondere Etwas (ganz wie bei den Pickles) und der Refrain ist eingängig überzeugend. Noch überzeugender aber kommt Titel Nummer Zwei daher, "Some People". Die eingesetzten Instrumente und dadurch entstehenden Klänge sorgen für einen außergewöhnlich überzeugenden Blues-Funk-Rock. Die Mittelstücke, "Drowning Sailors" und "Checking In" kommen daher, wie die Pickles, die man vernascht, nachdem eine Glashälfte schon geleert wurde: inzwischen hat man sich an den Geschmack gewöhnt und aufhören kann man irgendwie nicht. Eine Zutat schmeckt einem inzwischen am besten, vielleicht die am meisten herausstechenden kleinen Gürkchen. Wer neben der Mundharmonika zu Anfang des Albums manchmal die schwere, jammernde Rockgitarre vermisst, der wird nicht enttäuscht. Spätestens in "Burnin‘ Burnin‘ Burnin‘" bekommt auch sie ihren Einsatz.

The Rhythm Junks liefern ein Album, das man sich bei einem Glas Whiskey und Pickles in einem Schaukelstuhl anhören sollte – ja, genau, zusammen in dieser absurden Kombination. Und beim Durchhören und Genießen wird man gemütlich in eine andere Welt verschwinden, sich am Ende etwas reifer fühlen und  die Cowboy-Stiefel auspacken. Oder die Mundharmonika. Oder eine alte Tom Waits-Platte.

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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