Laterne, Laterne – “Founding Fathers” von Chandeliers
August 7, 2012Sich Kandelaber zu nennen, entbehrt nur dann jeden Humors, wenn das sonische Heimleuchten nicht hinhaut. Doch genau darüber brauchen sich die drei (oder sind es doch vier) jungen Herren aus Chicago nicht den kleinsten Schrumpfkopf machen. Könnte man musikalische Qualität auch in Lux messen - auf "Founding Fathers" müsste direkt der "Parental Advisory: Listen With Sunglasses Only"-Sticker pappen.
Captcha Records / HBSP-2X
19. Juni 2012
Erhältlich bei:
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Chicago ist ein ebenso raues wie traditionsreiches Pflaster. Blues, Post- und Art-Rock haben der Stadt am Lake Michigan genauso ihren Stempel aufgedrückt wie Disco, House und Elektronika. So, wie sich die Chandeliers präsentieren, scheint ihnen nicht daran gelegen, die Entscheidung über die nun wichtigsten und maßgeblichen Einflüsse über's Knie brechen zu wollen. Mal überwiegt das sphärisch Schwebende wie in "Tropical Pocket" und "Enclaves", mal das Kopfnicker-Gen wie auf "New Times" und dann und wann geht es bei den Chicagoans aber auch richtig zur House-Sache. "Ginger Jack" und natürlich der finale Track des Albums, "Singularity", berichten beredt von Zeiten, in denen man auf Gitarren verzichtende Tanzmusik wieder mit den Händen machen kann. Es klingelt, klatscht und klonkert, es zieht und zirpt und zischt und macht auch sonst allerhand ungewöhnliches Geräusch.
Dabei sind sich die Chandeliers noch nicht einmal einig darüber, ob man das mit der Vokalisten-Stelle nun zur Vollzeit ausschreiben möchte oder nicht. Sie wissen aber deshalb auch nicht so genau, ob sie lieber mit Tortoise jammen oder mit No Regular Play und den Beautiful Swimmers das Berghain rocken wollen. Dass beides geht, ist faszinierend genug. Aber: in der Not führt der Mittelweg ja oft genug zum Tod. Und deshalb qualifizieren sich Chandeliers nicht etwa für die goldene Mitte aus Konzertsaal-Helle und Schmuddelklub-Dunkel, sondern für etwas ganz eigenständiges, für eine Höratmosphäre, bei der analytischen Ohren genauso Rechnung getragen wird, wie dem motorischen Drang, den "Founding Fathers" evoziert.
Diese aalglatte Unbestimmtheit teilen Chandeliers mit ihren Low-Fi-Brüdern von Javelin. Im Unterschied zu den New Yorkern allerdings, spielt das Quartett sämtliche nach vergangener Zukunft klingenden Instrumente selbst. Das Samplen lassen sie nur als Kulturtechnik und von daher eher theoretisch gelten – im Sinne einer technischen Innovation machen sie sich mit ihrer faszinierend anderen Musik davon unabhängig. Und einmal mehr fällt auf, dass es ihnen kaum um Hochgeschwindigkeits- oder Schwierigkeitsrekorde gegangen zu sein scheint; die Lust am Klangexperimentellen dürfte ungleich größer gewesen sein. Stark. Groß. Gut. Und jetzt: Licht aus.

