Lebenslänglich Traum-Haft – „Paracosm“ von Washed Out

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Ein Parakosmos ist eine Fantasiewelt, die oft und gerne durch verblüffendes Detailreichtum auffällt und häufig bereits im Kindesalter entwickelt wird. Und ja, Tolkiens Mittelerde ist so etwas wie ein Paradebeispiel. Ob Washed Outs Ernest Greene ahnt, dass er mit seinen "Paracosm“ betitelten Klangwelten den perfekten Soundtrack für einen Mittelerde-Roadtrip geschaffen hat?

Washed Out
Paracosm
Domino Records / Good To Go
09. August 2013
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Was an "Paracosm" so erstaunt ist, dass es zu keinem Zeitpunkt den Eindruck als das Werk eines Einzelnen macht. Greenes Instrumentarium, seine Arrangements und die verhältnismäßig hohe Klangereignis-Dichte -  die Indizien sprechen für eine Band, mindestens aber ein Musiker-Kollektiv. Eine Unterstellung, die übrigens nicht unerheblich auch vom Album-Klang, also seinem Sound-Design, genährt wird.

"Paracosm" ist warm, rund und in gut sitzende analoge Gewänder gehüllt. Dass Songs wie "All I Know", "Falling Back" und "It Feels Right" durch unzählige Mouse-Clicks entstanden sein sollen, kann man sich nur schwer vorstellen. Und selbst bei jenen Kompositionen, die vermeintlich eindeutiger auf den Schlafzimmer-Produzenten-Ansatz verweisen, bleibt Washed Out dem Klangeindruck nach androgyn, mindestens mehrdeutig. Was genau gesamplet, live eingespielt oder mit Hilfe von Audio-Software kreiert wurde – bei Stücken wie "The Great Escape" und "Weightless" verschwimmen diese Grenzen – vorausgesetzt es sind/waren überhaupt welche.

Am elementarsten zeigt sich der Hybrid-Ansatz Washed Outs jedoch bei der Video-Single "Don’t Give Up". Kuhglocken-Loops treffen auf Live-Toms, Rückwärtsschleifen buhlen mit allerlei anderem Klanggeflimmer um die Aufmerksamkeit der Hörer. Allein Greenes Text-Botschaft scheint vernachlässigbar – so wenig distinkt und fast begraben unter allen anderen Klangquellen hat der, der Washed Out ist, sie positioniert. Womit ein weiteres wichtiges Merkmal des Greene’schen Schaffen feststeht: Washed Outs Vokalisen wirken jenseits von Sprache. Sie sind distinkte Klangelemente, klar, aber eben auch nicht mehr.

Mit "Paracosm" gelingt Washed Out ein weiteres großartiges Kapitel zur Monologie „Der Typus Singer/Songwriter im 21. Jahrhundert“. Zusammen mit Kollegen wie Toro Y Moi und Wechsel Garland wird Greene dieses Buch wenn nicht zu Ende, dann doch weiterschreiben. 

Foto: Shae Detar

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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