Leider ungeil – „Runddans“ von Rundgren / Nikolaisen / Lindstrøm

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Todd Rundgren steht ganz oben auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Musiker-Spezies: Unabhängig, hoch-kreativ, technisch-versiert und mit einer höchst eigenständigen künstlerischen Vision. Jetzt hat der Fast-70-Jährige mit dem Space-Disco-Papst Hans-Peter Lindstrøm und der klangtechnischen Allzweckwaffe Emil Nikolaisen ein gemeinsames Album – "Runddans" – veröffentlicht.

Rundgren / Nikolaisen / Lindstrøm
Runddans
Smalltown Supersound / Rough Trade
8. Mai 2015
1 / 10
Erhältlich bei Amazon | JPC

Ganz ehrlich? – Dem Autoren ist kein einziges generationen-übergreifendes Joint-Venture bekannt, bei dem nicht die schlichte Tatsache, dass zusammengearbeitet wurde, das eigentlich Entscheidende – die Musik, die dabei rauskommt – überschattet. Oder noch ärger: Die Musik hält nicht, was die Ankündigung quasi versprach. Ob James Last und Fettes Brot, Lady Gaga und Tony Bennett, Dieter Bohlen und Mark Medlock. "Runddans", das Gemeinschaftsprojekt von Rundgren, Lindstrom und Nikolaisen, ist – leider – keine Ausnahme. Und so gar nicht geil.

Was auch immer den Dreien bei den Aufnahmen verabreicht wurde – der Autor will es auf keinen Fall probieren. Jedenfalls nicht, wenn sich als Ergebnis das ästhetische Empfinden derart verschiebt, wie es bei den dreien ganz offensichtlich der Fall gewesen sein muss. "Runddans" ist kein Album im klassischen Sinne. Es ist vielmehr ein einziger Song, unterteilt in zwölf nicht voneinander unabhängige Abschnitte. Warum dann überhaupt Tracks? – Einen sinfonischen Satz zerlegt man ja auch nicht in seine Einzelteile. Und vielleicht ist genau das das Problem: Das Trio ist an seinem eigenen künstlerischen Anspruch gescheitert. Was hätte Common Ground sein können und sollen, vermochte lediglich aufzuzeigen, an welchen Stellen man nicht mehr zusammenkommt.

Das Bandprojekt "Runddans" hört sich an, als hätten die drei Bandmitglieder jeder für sich gewerkelt und ein nicht informierter Toningenieur die dabei entstandenen Spuren nach einer nur ihm zugänglichen, wirren Logik zusammengemischt: Auf seine alten Tage war Rundgren auf jenes Opus Magnum zwischen Art-Rock und Fusion aus, dessen Anfang möglicherweise zurück bis in die 1970er Jahre reichen; der Computer-Frickler Lindstrom wollte endlich mal richtige, ordentliche und also hand-gemachte Musik mit einem amtlichen Leumund machen. Und Nikolaisen? – Vermutlich Gitarrespielen. Aus Hörer-Sicht ist das alles eine Katastrophe. Am besten zusammengefasst mit: Alles falsch gemacht. Wer Lust hat auf das schlechteste bislang unveröffentlichte Genesis-Album zu Peter Gabriel Zeiten, und sogar Metallicas und Lou Reeds "Lulu" etwas – was auch immer – abgewinnen konnte, der ist hier richtig.   

Foto: Smalltown Supersound

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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