Liebe, Flöten, Klub-Kultur – „Hypersex“ von Moullinex

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Nachdem der portugiesische Produzent für den Vorgänger „Elsewhere“ mal kurz ins Nowhere abgetaucht war, um dort in aller Abgeschiedenheit und Einsamkeit Musik zu ertüfteln, hatte Luis Clara Gomes anschließend genug von der Ich-AG. Für „Hypersex“ wandte er sich dem Extrem auf der gegenüberliegenden Seite zu: Von insgesamt 13 Songs kommen nur vier ohne dezidierten Feature-Gast aus – und auch diese leben von dem, was der Meister höchstpersönlich im Interview als „kollaborativen Ansatz“ bezeichnet. Und – hilft viel viel?

Moullinex
Hypersex
Discotexas
06. Oktober 2017
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HVV

Die erste Single „Open House“, ein nomen-est-omen von einem klassischen House-Banger, auf dem Tee Flowers überzeugend den Motivations-Coach mimt, war schon – wie sagte der Guardiola immer – toptop. Als Moullinex dann aber mit „Love Love Love“ nachzog, war sich der Autor sicher – so was hatte er so noch nie gehört: Der organisch klingende Beat, die hypnotisierenden Flöten, das „Love, Love,Love“-Sample, das keines ist und die synthetisierte Kuhglocke – mehr Schub kam 2017 nur von den Cape Caneveral Raketen.

Zurück zur Frage, ob die vielen Köche den Sound-Brei hier eher verderben oder nicht. Die Antwort muss zwangsläufig salomonisch ausfallen: Wem’s schmeckt?! Das stark konzeptionell unterfütterte dritte Album Moullinex’ soll nach seinen Aussagen als Liebeserklärung an die Club-Kultur verstanden werden. Nun, Club ist nicht gleich Club. Und jeder weiß, wie es in Restaurants, die alles und noch viel mehr anbieten, schmeckt. Bitte nicht falsch verstehen. Moullinex ist viel zu versiert, um absichtsvoll daneben zu langen. Aber längst nicht alles auf „Hypersex“ wirkt so vollendet wie die zu recht zuerst veröffentlichten Singles. Der Manhatten Transfer-Gedächtnis-Track „The Huggers“ ist schlicht zu lang. Das mit Fritz Helder entstandene „Work It Out“ wirkt wegen seiner geringen discoiden Ausrichtung fast schon wie ein Fremdkörper (hier grüßen doch eher Cameo denn Chic). Und auch „Like A Man“ featuring Marta Ren sticht aus dem Albumgesamtkörper eher unpassend heraus.

Dafür ist die fünfminütige Engtanz-Jam namens „Hidden Affection“ auch dank der von Best Youth gehauchten Vocals ein echter Bringer. Dito „Carnival“ und der Album-Closer „Ladybug“ – auch sie werden als gelungen abgehakt. Abgesehen davon, dass dem Rezensenten einzelne Songs deutlich mehr gefallen als andere, besteht Moullinex’ Verdienst auf seinem dritten Album „Hypersex“ vor allem darin, eine einzige Sound-Idee auf dreizehn sehr unterschiedliche Arten und Weisen hervorragend und vor allem wiedererkennbar inszeniert zu haben. Ob man das jetzt Signature-Sound nennen mag oder nicht – was er zu sagen hat, weiß er. Und wie’s klingen soll, auch. Mehr kann man doch gar nicht verlangen.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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