Schmooves zum Cruisen – „Long Car Rides“ von Kasim Keto

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Fahrstuhlmusik, Akustik-Tapete, Muzak – wenn dazwischen überhaupt Grenzen verlaufen, sind sie wohl überflüssig. Umso wichtiger ist es, Verwechslungen mit dem, was nicht in diesen Topf gehört, vorzubeugen. So auch in Kasim Ketos Fall, der mit "Long Car Rides" seinen ersten Instrumental Beats only Longplayer veröffentlicht.

Kasim Keto
Long Car Rides
Babygrande Records
19. November 2013
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Dass Keto sein Werk "Long Car Rides" genannt hat, macht die Sache nicht einfacher,  geschweige denn eindeutiger. Denn ob Mozart zum Joggen, Beethoven zum Backen oder Keto für die Autobahn – sehr viel expliziter als mit dem Titel „Long Car Rides“ kann man die vom Macher vorgestellte Hör-Situation kaum benennen. Die Tatsache, dass ein Großteil der insgesamt 17 Tracks auf "Long Car Rides" sich bei der Drei-Minuten-Marke einpendelt, und keiner von ihnen Interesse an so etwas wie klassischem Song-Aufbau oder Lied-Struktur zeigt, kommt erschwerend hinzu.

Trotz allem gelingt es Keto, sein Debüt-Album aus der "Demnächst-auch-auf-einem-Chillout-Sampler"-Ecke rauszuhalten. Damit hat er Nightmares on Wax etwas voraus und positioniert sich trotz seines sehr viel klassischeren, weil Sample basierten Produktions-Ansatzes eher als Gesinnungsgenosse von Oddisee, dessen jüngste Veröffentlichung "The Beauty In All" seine Fähigkeiten als Produzent eindrucksvoll unter Beweis stellt. Im Gegensatz dazu, hängen Ketos Tracks sehr viel deutlicher an Hip-Hop-Wurzeln, von der Ausnahme "Long Way" einmal abgesehen: Schleppend bis schwerfällig rumpeln die Rhythmen auf "Long Car Rides". Die melodisch-harmonische  Ausstattung ist spärlich bis spartanisch. Keto setzt auf die hypnotische Wirkung von Loops, der akustischen Entsprechung des nicht durchgezogenen Mittelstreifens, wenn man so will. Und am besten nachzuvollziehen bei "Who Knows" und "Cause & Creation".

Wie es Keto hinkriegt, dem Beliebigkeits-Vorwurf zu entgehen? – Der Trick scheint zu sein, dass er seine Werke gerade soweit ausproduziert, dass sie nicht mehr nur Skizze oder Instrumental-Tool sind, und gleichzeitig noch genügend Raum zum "Reinhören" lassen. Auf "Long Car Rides" funktioniert das fast perfekt. Einzige kritische Anmerkung: einen Tick mehr Abwechslung in Sachen Rhythmus-Gestaltung wäre nicht von Nachteil gewesen. Gerade im Hinblick auf die großartig gelungene Ausnahme "Long Way" – vielleicht muss Keto aber auch nur einmal auf deutschen Autobahnen cruisen, um ein Gefühl für das Tempo von "Long Car Rides" made in Germany zu bekommen... 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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