Man ist, was man mixt – Erol Alkans „Another Bugged Out / In“ Selection

Ob Erol Alkan Vegetarier ist? – Gastronomisch gesehen vielleicht. Musikalisch ist der Londoner ein Allesfresser, wie er im Buche stehen sollte. Seinen über vieles erhabene Ruf zementiert der Alles-Recycler mit seinem aktuellen "Bugged Out/Bugged In" Mix erneut; und eindrucksvoll.


Erol Alkan Another Bugged

 

K7 / Alive 31. August 2012

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | Musicload


Dass Erol Alkan sich das DJ-Popularitätstreppchen mit Väth, Van Dyke und Sasha nicht teilt, hat diverse Gründe. Die zwei wichtigsten davon dürften persönlichen Überzeugungen Alkans geschuldet sein, die man wohl am ehesten so paraphrasiert: 1. Mehrgleisigkeit muss sein und 2. Persönliche Freiheit ist besser als kommerzieller Zwang. Seinem Werdegang waren sie dennoch keine Knüppel zwischen die Beine – trotz des einführenden Wer-hat-den-Größten-Vergleichs. Im Unterschied zu den oben Genannten kann Alkan noch unerkannt in Plattenläden shoppen – und entgeht auf diese Weise den unvermeindlichen Deck-Sharks und "Sonder"-Preisen ...

Und das, obwohl ausgerechnet Alkan einer von solchen ist, bei denen es sich doppelt und dreifach lohnen würde – weit über die "bloß" klanglichen Aspekte hinaus. Trüffelschwein, das er ist, überlässt er die 500-Euronen-pro-Single-Seite-Gems gepflegt Keb Darge und Konsorten und geht stattdessen den gefühlt offensichtlicheren, dafür aber dennoch weniger ausgetretenen Weg. Jan Hammer, Bibio, The Space Lady und Jai Paul finden sich an dessen Rand ebenso wie die Chromatics, The Make Up und Buffaloe Springfield – und das ist nur das Name-Dropping für den After Hour Teil der Mix Serie.

Wie schon bei seiner ersten Auftragsarbeit für die Bugged-Out-Crew, hat es sich Alkan auch bei der aktuellen Ausgabe nicht nehmen lassen, die musikalische Essenz eines Club-Abends in zwei Hälften zu teilen. Während er den "Bugged Out" Teil umstandslos mit Smith’n’Hack, also stramm nach Peaktime duftendem Material beginnt, um sich alsbald durch ein Sammelsurium elektronischer Tanzmusik und anderem Artverwandten zu mixen – Ron Hardy, Seaside Houz Boyz, Jimmy Edgar, Jared Wilson und Connan Mockasin unter anderen – gereicht die "Bugged In" Hälfte zum Zeitvertreib kontemplativerer Art.

Und ja, klar – das ist eklektisch, genre-verbindend und grenzensprengend. Erschließt sich aber auf dem zum Hinhören gedachten Mix eher und leichter. Hinzu kommt, dass Alkan ein sicherer, aber auch traditioneller Mixer ist. Effektivität ist ihm mitunter wichtiger als 100%ige Eleganz. Genau dieser Ansatz aber stellt sich speziell im "Bugged Out" Teil als streckenweise bieder dar. Was auf dem Main-Floor funzt, muss das noch lange nicht bei der Kopfhörer-Abhöre. Seine Übergänge, die Arten und Weisen, den musikalisch roten Faden zu knüpfen, wirken auf dem "Bugged In" Teil sinnfälliger, durchdachter und auch überraschender – ein Umstand, der auch mit der hier sehr viel weitergehenden Befreiung vom BPM-Zwang erklärt werden könnte.

Darauf aber genausowenig reduziert werden darf. Wenn sich nach "Major Tom" von The Space Lady Jai Pauls "Jasmine" in den Mix schleicht, dann wird schnell deutlich, dass es beim Übergang von A nach B noch unendlich viel mehr zu beachten gilt, als nur das Tempo. Anschaulich und perfekt hörbar wird das auch gleich beim ersten Übergang von Jan Hammer zu Matthew Herbert – zwischen den beiden Stücken liegen mehr als 30 Jahre und fundamentale Unterschiede in Sachen Rhythmus-Verständnis - Alkan mixt das alles raus und übrig bleibt ein wie nahtloses Ineinanderübergehen. Beeindruckend.

Und weil auch der Autor bei soviel geballtem musikalischen Material Orientierung braucht – hier die beiden Autoren-Faves: Jai Pauls "Jasmine" und Space Dimension Controllers "The Love Quadrant". Danke Erol!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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