Dann doch lieber Katy Perry – „Matangi“ von M.I.A.

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In Mathangi "Maya" Arulpragasams Welt sind Dinge möglich, die für so manchen Max Mustermann nur schwer unter einen Hut gehen. Dazu gehört natürlich auch, dass M.I.A. Popmusik macht, die nach allem Möglichen klingt, nur nicht nach Popmusik. "Matangi" ist das nächste Kapitel in dieser nicht ganz widerspruchsfreien Geschichte.

M.I.A.
Matangi
Interscope / Universal
04. November 2013
3 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

"'Matangi' soll jedoch das letzte kommerzielle M.I.A.-Werk sein." Woher auch immer Matthias Manthe dieses Wissen nimmt, dazu zwei Dinge: 1. Sollte dem wirklich so sein, wäre die Popwelt um einen kanarienvogelbunten Farbklecks ärmer. 2. Der Rezensent hat große Angst, sich vorzustellen, wie ein nicht-kommerzielles M.I.A.-Werk klingen könnte. Von den insgesamt 15 auf "Matangi" enthaltenen Tracks gehen maximal zwei ("Exodus"/"Sexodus" feat. Weeknd und "Bad Girls") als einigermaßen phänotypisch-korrekte Pop-Entwürfe durch. Der Rest ist, ähm, politisch aufgeladene Klangcollage.

Wobei schon "politisch-aufgeladen" nah an der Übertreibung ist. Die Tatsache, dass M.I.A. sich in ihren Texten Themen widmet, die nur noch selten im öffentlichen Fokus stehen seit Bob Geldof zum Ritter geschlagen wurde (und eigentlich Tracy Chapmans Sache sein sollten) – Flüchtlingselend, Hungersnöte, weltweite Ungerechtigkeit, Konsumterror – ist das eine. Warum sich dagegen auszusprechen politisch brisant sein soll, wo es doch vielmehr vernünftiger Common Sense ist, solche Zustände nicht zu bejubeln, bleibt irgendwie unklar. Das gilt umso mehr, als die Künstlerin nicht einmal mit der Wimper zuckt, wenn es um Promotion-Aktivitäten in der Super-Bowl-Pause oder für den Brauerei-Konzern Beck’s geht. M.I.A. jedenfalls hält sich für ausgesprochen politisch engagiert. Anders ist "aTENTion" und die Tatsache, dass Julian Assange jüngst eines ihrer Konzerte via Skype-Video-Schalte eröffnete, kaum zu erklären.

Wie eingangs schon angeführt, in M.I.A.s Welt gehen Wein trinken und Wasser predigen gut zusammen. Das Problem ist, dass man Mathangi "Maya" Arulpragasam deswegen daraus schon lange keinen Strick mehr dreht, weil ihr sehr eigenes Krawall-Potential zu einer Marketing-Masche verwässert ist, die mittlerweile um keinen Deut glaubwürdiger dasteht, als Katy Perry. Selbstverständlich fordert es auch dem Rezensenten gehörigen Respekt ab, dass M.I.A. eben nicht den Perry-, Gaga- oder Gomez-Weg geht, es sich und dem Rest der Welt manchmal schwerer macht, als nötig. Wenn aber die Andersartigkeit nur noch um ihrer selbst Willen besteht, die Haltung zur tumben, weil stumpfsinnigen Plattitüde verkommt, dann doch lieber Frau Perry – die meint es wenigstens ernst mit ihrer unaufrichtigen Oberflächlichkeit. Ach so, die Musik: Ist auch auf dem Album.

 Foto: Daniel Sannwald

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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