Mehr könnte weniger – „Driven“ von Douglas Greed

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Nach einer fast zehnjährigen musikalischen Reise mit Stationen auf Labels wie Combination Records, Freude Am Tanzen, Lebensfreude, International DeeJay Gigolos und diversen, über die gesamte elektronische Musikwelt verstreuten Remixen, ist der Jenaer Produzent Douglas Greed dieser Tage mit seinem zweiten Albumwerk auf Ellen Allien's Boutique-Plattenschmiede BPitch Control gelandet und schöpft die ihm sich dort bietende stilistische Freiheit auf "Driven" in vollen Zügen aus. 

Douglas Greed
Driven
BPitch Control / Rough Trade
9. Mai 2014
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Von der sehnsuchtsvollen, elektronischen Ballade "Driven" mit Mooryc an den Vocals über das leicht angezerrte, chromatisch schimmernde TechHouse / (Neo)Trance-Epos "B12", dessen wobbelnde Bassline durchaus an inselbritischer Bassmusik geschult zu sein scheint, bis hin zum PostElectroclash-Verweis "Summerless" mit seinem in 80er-Glitter getauchten Cheerleader-Video reicht die musikalische Palette des Produzenten und im Albumverlauf noch weit darüber hinaus.

Zusammen mit Yeah, But No! schraubt Douglas Greed sogar ein eindrucksvolles Indie vs. WaveStep-Crossover mit echtem Hymnenpotential, das zu gegebenem Zeitpunkt, ebenso wie das auf Dubstep-/PostGarage verweisende "Salad & Beer", in entsprechendem Kontext zu einem wahren Hit und Dancefloor füllenden Monster mutieren könnte. "Fire", entstanden in Zusammenarbeit mit Daniel Brandt, lotet hingegen die Möglichkeiten positiv aufgeladener, glöckchenhaft umhertollender Synthlinien aus, die im späteren Verlauf durch an Choppage erinnernde Breakbeats kontrastiert werden. Als einziger, weitgehender Totalausfall erweist sich die kitsch-belastete, vollkommen überladen wirkende Vocal-TechHouse-Variation "My Mind Is A Monkey" mit Delhia De France, bei der einfach von Grund auf nichts zusammengeht und auch das darauffolgende "This Time" schrammt dank ausuferndem Streichereinsatz zuweilen hart an der Kitschgrenze vorbei.

Funktionaler und versöhnlicher präsentiert sich hingegen "Hush" mit seinem reduzierten TechHouse-Ansatz und einem massiven, in leicht zerrende Moll-Synthies gebetteten Breakdown, der vor allem in der kommenden OpenAir-Saison seine Vorzüge ausspielen kann, bevor der "Long Distance  Swimmer" als versöhnlicher Popsong dieses breitgefächerte Album schlussendlich abrundet. Als Zweitling durchaus gelungen, wenn auch an manchen Stellen weniger mehr gewesen wäre. 

Foto: Rene Buschner

 

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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